Stand: 19.09.2019 10:31 Uhr

Alte Schulen sollen auf Asbest-Prüfstand

von Tobias Senff

Im Dezember war in einigen Räumen des Reinbeker Schulzentrums teils extrem hohe Asbestbelastung festgestellt worden.

Seit Dezember ist das Reinbeker Schulzentrum am Mühlenredder (Kreis Stormarn) geschlossen, weil in der Raumluft Asbestfasern gefunden wurden. Über die genaue Ursache wurde lange gerätselt. Laut einer Mitteilung des Innenministeriums, das auf ein Gutachten verweist, stammt das Asbest aus Fensterelementen. Die Aluminiumrahmenkonstruktionen haben im unteren Bereich so genannte Außensandwich-Paneele (auch als Glasalplatten bezeichnet). Diese sind wie Glasscheiben im Rahmen befestigt. In der Mitte der Elemente befindet sich ein etwa fünf Zentimeter dicker Kern aus Styropor. Auf diesen sind auf der Innen- und Außenseite etwa fünf Millimeter dicke Asbestzementplatten aufgeklebt. In dieser Art gilt der Schadstoff als gebunden und nicht gefährlich. Doch in Reinbek hat sich nach Angaben des Innenministeriums der Kleber zwischen den Platten im Laufe der Jahre aufgelöst.

Zusammenspiel von Problemen

Bei Wind konnten die einzelnen Schichten aneinander reiben und Fasern lösen. Diese lagerten sich dann in den Rahmenkonstruktionen ab. Eine Dichtung verhindert das Herausrieseln normalerweise. In den besonders stark belasteten Räumen des Reinbeker Schulzentrums war diese Abdichtung jedoch nicht vorhanden. Dadurch konnten die Fasern in die Luft der Klassenräume gelangen. Nach Einschätzung des vorliegenden Gutachtens hätten die Phänomene einzeln nicht zu einer erhöhten Faserkonzentration geführt.

In den 60er- und 70er- Jahren entstanden in Deutschland zahlreiche Schulen in dieser Bauart, dem sogenannten Kasseler Modell. Das Ergebnis aus Reinbek hat nun Konsequenzen für ganz Schleswig-Holstein. Das Innenministerium als oberste Bauaufsichtsbehörde hat die unteren Aufsichtsbehörden in Kreisen und Städten über eine mögliche Gefährdung in Schulgebäuden nach dem Kasseler Modell informiert.

Genaue Zahl der betroffenen Schulen unklar

Die Schulträger sollen nun möglichst kurzfristig in ihren Häusern prüfen, ob diese belastet sind. Bundesweit wurde sehr häufig nach dem Kasseler Modell gearbeitet. In dieser Bauweise konnten schnell Gebäude errichtet werden, weil es an Unterrichtsräumen mangelte. Nach Angaben des Innenministeriums bleibt unklar, in wie vielen Schulen in Schleswig-Holstein noch asbesthaltige Glasalplatten verbaut sind. Diese Daten werden demnach nicht zentral erfasst.

Recherchen von NDR Schleswig-Holstein haben allerdings ergeben, dass Schulen des Kasseler Modells in fast allen Kreisen vorhanden sind. Allerdings wurden viele wurden in den vergangenen Jahren schon saniert. Dabei wurden in den meisten Fällen auch die Glasalplatten ausgetauscht. So passiert es auch gerade in Reinbek. 2022 soll das belastete Gebäude fertig saniert und umgebaut sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.09.2019 | 11:00 Uhr

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