Menschen demonstrieren auf der Straße © NDR Foto: Christian Wolf

350 Mitarbeiter der Werften FSG und Nobiskrug demonstrieren

Stand: 10.05.2021 15:51 Uhr

Die Corona-Pandemie hat bundesweit die Werften-Krise verschärft. Viele Arbeiternehmer bangen um ihre Zukunft. Sie gingen deshalb am Montag in Rendsburg und Flensburg auf die Straße.

von Christian Wolf

Anlass für die Kundgebungen ist der Start der 12. Nationalen Maritimen Konferenz heute in Rostock. Die Gewerkschaft IG Metall und die Belegschaft der Flensburger Schiffbau Gesellschaft (FSG) wollten vor allem noch einmal darauf aufmerksam machen, dass die Werft bei der Ausschreibung von Marine-Aufträgen nicht berücksichtigt wurde. "Meiner Ansicht nach ist es zwingend notwendig, die Aufträge zu verteilen. Es ist ein großer Kuchen, und man kann zusammenarbeiten", erklärte Michael Schmidt von der IG Metall. Die FSG hatte gegen die Auftragsvergabe für zwei neue Tanker geklagt, aber erst Mitte Juni will das Gericht darüber entscheiden. Ob der Auftrag überhaupt danach noch vergeben werden kann, ist ungewiss, weil alle Rüstungsvorhaben, die den Wert von 25 Millionen Euro überschreiten, bis Ende Juni vom Parlament abgesegnet werden müssen.

Nobiskrug: Insolvenzverwalter drückt aufs Tempo

Die Beschäftigten von Nobiskrug in Rendsburg haben andere Sorgen. Sie hoffen, dass so schnell wie möglich ein neuer Investor für das insolvente Unternehmen gefunden wird. "Im allerbesten Fall haben wir bis Ende Juni einen neuen Eigentümer, und wir bauen Druck auf, weil wir hier eine schnelle Lösung wollen", sagte Hendrik Gittermann, der vorläufige Insolvenzverwalter. Vor allem für die Mitarbeiter sei es wichtig, dass die Situation schnell geklärt wird. Auch am vergangenen Wochenende führte Gittermann Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten. Martin Bitter von der IG Metall ist ebenfalls zuversichtlich, was die Zukunft des Unternehmens angeht, machte aber zugleich deutlich: "Es geht nicht nur um den Verkauf, sondern auch um Arbeitsplatzsicherung und Tarifstandards sowie Mitbestimmung." Auch muss aus seiner Sicht die Vergangenheit beleuchtet werden, damit sich Management-Fehler nicht wiederholen.

Buchholz: Bund sollte Schiffbau-Aufträge vorziehen

An der Kundgebung in Rendsburg nahm auch Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) teil. Weltweit sei der Schiffbau aufgrund der Corona-Pandemie unter Druck, und das gelte auch für die schleswig-holsteinischen Werften, so Buchholz. Mit Blick auf das laufende Insolvenzverfahren von Nobiskrug sagte er: "Hier kann man optimistischer sein als an vielen anderen Orten. Trotz Insolvenz sehe ich hier eine sehr positive Perspektive." Buchholz sieht in der Werftenkrise auch den Bund in der Pflicht. Nach seinen Worten sollten Aufträge zur Instandsetzung von Behördenschiffen und auch Neubauten vorgezogen werden. Extrem wichtig ist laut Buchholz aber auch das Green Shipping, also die emissionfreie Schifffahrt, die dieses Jahr auch im Mittelpunkt bei der Nationalen Maritimen Konferenz steht. "Hier hat Schleswig-Holstein zum Glück eine Vorreiterrolle. Unsere Werften haben einen Vorsprung und eine Chance, den auszunutzen", betonte der Wirtschaftsminister.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.05.2021 | 13:00 Uhr

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