Stand: 23.08.2019 11:17 Uhr

"Keine Spitzenernte, keine Missernte"

von Susanne Schäfer, NDR Info

Im vergangenen Jahr war die Ernte vielfach eine Katastrophe, es gab sogar finanzielle Dürrehilfen für die Landwirte. Auch das Jahr 2019 war bislang sehr trocken, die Folgen des Klimawandels machen vielen Landwirten zu schaffen. NDR Info war im Nordkreis von Osnabrück in Niedersachsen unterwegs und hat von zwei Landwirten eine ganz persönliche vorläufige Erntebilanz erhalten.

Bild vergrößern
Thomas Wellmann ist mit der Kartoffelernte in diesem Jahr nicht zufrieden.

Auf 40 Hektar baut Thomas Wellmann in Bersenbrück Kartoffeln an. Er klettert auf den roten Kartoffelroder, auch seine Mutter und der Azubi steigen auf, sein Vater fährt den Trecker - Kartoffelernte ist personalintensiv. "Wir fahren jetzt zu einer Fläche, wo die Frühkartoffel Annabell angebaut ist. Das sind aber jetzt auch die letzten, danach geht es dann im September weiter mit Cilena und Belana."

Als der Trecker am Feld ankommt, wird es staubig, die Erde wirbelt durch die Luft, kriecht in Nase und Augen. "Wir hatten in den letzten Tagen zwar ergiebige Niederschläge, es staubt aber schon derbe. Das heißt, der Boden nimmt das Wasser schnell auf, nach oben trocknet es schon ab - und wir haben eine erhebliche Staubentwicklung, was auf dem Kartoffelroder gar nicht so angenehm ist."

"Erträge bei den Frühkartoffeln sind nicht so gut"

Schnell rollen Kartoffeln nach oben, dazwischen immer wieder Erdklumpen, Steine und andere Pflanzenreste. Thomas Wellmann und sein Team fischen die zwischen den Kartoffeln heraus. Zufrieden ist er nicht: "Die Erträge bei den Frühkartoffeln sind in diesem Jahr nicht so gut. Das liegt an der Trockenheit und den extremen Hitzewochen."

20 Prozent weniger Ertrag hat Wellmann auf dieser Fläche, dabei sei hier der Boden noch relativ gut. Auf anderen Flächen stecken nur halb so viele Kartoffeln im Boden als sonst. Keine gute Ernte, sagt er. Bei seinem Getreide sah es besser aus: "Wir hatten in diesem Jahr eine durchschnittliche Getreideernte, war keine Spitzenernte, aber auch keine Missernte."

Landwirt Frank Alswede bei der Rote-Bete-Ernte. © NDR Foto: Susanne Schäfer

Dürre setzt Landwirten auch 2019 zu

NDR Info - Infoprogramm -

Die Landwirte in Deutschland beklagen auch in diesem Jahr wieder eine unterdurchschnittliche Ernte. Wie ist die Situation in Niedersachsen? NDR Info war dort.

2,6 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Weniger Frucht an den Kürbissen als sonst

Videos
02:18
Schleswig-Holstein Magazin

Erntepressekonferenz 2019 in Bösdorf

Schleswig-Holstein Magazin

2017 war es viel zu nass, 2018 kam es durch die lang anhaltende Trockenheit zur Dürre: In beiden Jahren fiel die Erntebilanz schlecht aus. Wie sieht es in diesem Jahr aus? Video (02:18 min)

Wenige Kilometer weiter in Gehrde ist sein Kollege Frank Alswede nicht so glücklich mit der Getreideernte. Er verbucht 20 Prozent Verlust: "In diesem Jahr ist die Trockenheit sehr regional gewesen. Es hat Gebiete gegeben, die haben einige ordentliche Gewitterschauer abgekriegt. Aber gerade der Bereich Nordkreis Osnabrück, Emsland, Cloppenburg bis Sulingen ist ein Gebiet was sehr wenig Wasser gekriegt hat."

Frank Alswede handelt auch mit Kürbissen. Frisch vom Feld landen die Hokkaido-Köpfe auf dem Hof in einer Wasch- und Poliermaschine. "Da sind Polierwalzen drin, da wird der Kürbis super sauber und glänzend poliert." Die orangen Kugeln rollen übers Band und werden nach Größe sortiert. Jede seiner Kürbispflanzen hat im Schnitt dieses Jahr eine Frucht weniger als sonst. Alswede hatte sogar mit noch weniger gerechnet: "Wir sind eigentlich erstaunt, dass es doch noch so gut geworden ist, denn es war ja doch extrem trocken."

Die Hoffnung auf Regen bleibt

Die Kürbisse stehen schon zum Verkauf bereit, auf dem Feld wartet noch Rote Bete: "Im ersten Ernteschritt fahren wir drüber und schneiden die Blätter ab, im zweiten Schritt fahren wir mit dem Roder drüber und nehmen die Rote Bete raus. Hier kommen die ersten Knollen. Für uns perfekt sind zwischen vier und acht Zentimeter."

Die Rote Bete will Frank Alswede noch bis November in der Erde lassen. Er hofft, dass sie doch noch etwas Regen abbekommt und weiter wächst.

Weitere Informationen

Durchschnittliche Ernte in Schleswig-Holstein

Landwirtschaftsminister Albrecht gibt dem Erntejahr 2019 die Schulnote "befriedigend". Der Erlös reiche nicht aus, die Verluste aus dem Dürrejahre 2018 auszugleichen. mehr

Erntebilanz: Regionale Unterschiede bei der Getreide- und Rapsernte

Die Getreide- und Rapsernte dieses Jahres sei gemessen an den Vorjahren durchschnittlich, regional jedoch auch sehr unterschiedlich. Das teilte der Bauernverband MV mit. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 23.08.2019 | 06:38 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:04
Hallo Niedersachsen
01:33
Hallo Niedersachsen
04:04
Hallo Niedersachsen