Stand: 31.05.2018 15:24 Uhr

Polizeiteam ermittelt in drei Ländern: Bilanz

Dass Ländergrenzen für Verbrecher kein Hindernis darstellen, ist bekannt. Für die Polizeibehörden dagegen endet die Zuständigkeit an der Grenze. Ein Problem, dem man im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen mit einer grenzüberschreitenden Polizeieinheit begegnet - und das seit mittlerweile zehn Jahren. Am 1. Juni 2008 wurde die Einheit ins Leben gerufen.

Von Bad Bentheim aus in drei Länder

Federführend ist die Polizeidirektion Osnabrück. Beteiligt am Projekt sind die Koninklijke Marechaussee und die Politie-eenheid Oost-Nederland in den Niederlanden, die Bundespolizeidirektion Hannover und die Kreispolizeibehörde Borken in Nordrhein-Westfalen. 20 Polizisten starten von Bad Bentheim aus in ihre Einsätze im Grenzgebiet. Zehn von ihnen aus Deutschland, zehn aus den Niederlanden.

"Gemischte" Teams machen es möglich

Das Grenzüberschreitende Polizeiteam bei der Arbeit. © Polizeidirektion Osnabrück/ Bundepolizei
Die Streifenteams sind so zusammengesetzt, dass Zuständigkeitsprobleme nicht auftauchen können.

Die Bilanz nach einem Jahrzehnt: Die Beamten haben nach Angaben der Polizei Osnabrück unter anderem rund 350 Kilogramm Rauschgift im Wert von acht Millionen Euro sichergestellt, mehr als 5.000 Straftaten aufgedeckt und über 600 international gesuchte Straftäter festgenommen. Im Februar 2018 beendete die Einheit zum Beispiel die Entführung eines Babys aus den Niederlanden nach Deutschland. 2013 legten die Beamten einem niederländischen Menschenhändler das Handwerk. "Er fuhr aus Deutschland kommend über die Grenze, womit die Zuständigkeit für die deutschen Kollegen endete", erklärt die Polizei. "Die der niederländischen Beamten fing aber gerade erst an und somit konnte der Mann gestoppt werden." Die übergreifende Zusammenarbeit ist möglich durch "gemischte" Streifenteams aus den Ländern - mit dem Grenzübertritt wechselt dann jeweils die Verantwortung und damit die Zuständigkeit.

Vorbild für Kooperation an anderen Grenzen

Rund 1,3 Millionen Euro Fördergelder der EU hat das Projekt mit dem offiziellen Namen "Grenzüberschreitendes Polizeiteam" (GPT) bislang erhalten. Laut Polizei ist die Einheit in ihrer Dimension einmalig, die Idee gelte jedoch als Vorbild für polizeiliche Zusammenarbeit in anderen Grenzregionen, zum Beispiel an der deutsch-polnischen und der deutsch-dänischen Grenze. Regelmäßig tausche man sich untereinander aus. Die Arbeit des GPT soll den Angaben zufolge weiterentwickelt werden. So ist zum Beispiel ein gemeinsames Informationszentrum geplant.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.06.2018 | 08:00 Uhr

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