Stand: 14.08.2018 07:08 Uhr

Osnabrücker Student aus China ausgewiesen

Bild vergrößern
War den chinesischen Behörden offenbar zu kritisch: Student David Missal.

China hat den Journalismus-Studenten David Missal aus Osnabrück ausgewiesen, nachdem er dort über die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten recherchiert hatte. Seine Aufenthaltserlaubnis sei verkürzt und ein neues Visum für das nächste Semester verweigert worden, sagte der 24-Jährige. Er sei auch für kurze Zeit festgenommen worden. Er habe schließlich zehn Tage Zeit gehabt, um das Land zu verlassen, sagte er der ARD. Er gehe davon aus, dass die Ausweisung mit seiner Arbeit über die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten in China zusammenhängt. Die Behörden begründeten seine Ausweisung damit, dass seine Aktivitäten nicht von seinem Studentenvisum gedeckt seien. Missal selbst hat auf Twitter seine Ausweisung öffentlich gemacht.

 

Der Journalismus-Student David Missal muss das Land frühzeitig verlassen.

Osnabrücker Student aus China ausgewiesen

Hallo Niedersachsen -

Der Osnabrücker Journalismus-Student David Missal hat in China einen Menschenrechtsanwalt mit der Kamera begleitet. Nun wurde er ausgewiesen. Ist seine Arbeit der Grund?

2 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Mit bekannten Aktivisten getroffen

Missal hat bereits einen Abschluss in China-Studien und absolvierte als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der bekannten Pekinger Tsinghua Universität das erste Jahr eines Master-Studiengangs. Der Osnabrücker hatte nach eigenen Angaben mehrere Menschenrechtsanwälte und ihre Angehörigen interviewt und gefilmt. Unter anderem begleitete er Li Wenzu, die Frau des inhaftierten Menschenrechtsanwalts Wang Quanzhang. In der Stadt Wuhan sprach er mit dem Anwalt des bekannten Aktivisten Qin Yongmin. Für ihn sei das Journalismus-Studium stets "auch ein Experiment" gewesen, so Missal. Er habe gewusst, wie schlecht es um die Pressefreiheit in der Volksrepublik stehe. "Es ist aber nochmal etwas anderes, wenn man es am eigenen Körper erlebt", sagte Missal: "Man hofft, dass es zumindest an den Universitäten mehr Freiheiten gibt. Dem ist aber nicht so."

Haftstrafen für Menschenrechtler

In China sind in den vergangenen Jahren viele Bürgerrechtsanwälte, Mitarbeiter von Kanzleien und Aktivisten und deren Angehörige zu Bewährungs- und teilweise auch langen Haftstrafen verurteilt worden. Journalisten-Verbände weisen immer wieder auf die mangelnde Pressefreiheit in China hin. China gehört den Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen zufolge zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten und Bloggern. In der Rangliste zur globalen Pressefreiheit liegt das Land auf Platz 176.

Missal hätte Journalisten-Visum benötigt

Ausländische Journalisten müssen in China ein Journalisten-Visum und eine Arbeitserlaubnis besitzen, erst dann dürfen sie berichten. Missal war nicht als Journalist registriert, habe aber die Erlaubnis seines Professors für das Projekt erhalten. Erst später habe die Universität Bedenken angemeldet. Die Hochschule war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der DAAD bedauert die Entwicklung und betont gegenüber der ARD, dass das Stipendium weiterlaufe. David Missal will jetzt erst mal wieder in Berlin und dann möglichst in Taiwan weiter studieren.

Weitere Informationen
Das Erste: Eurovision Song Contest

Wegen Zensur: China darf ESC-Finale nicht zeigen

19.05.2018 19:05 Uhr
Das Erste: Eurovision Song Contest

Chinas TV-Sender Mango hatte die ESC-Übertragungsrechte. Doch die Lizenz wurde jetzt entzogen, weil der Sender im ersten Semi den irischen und albanischen Act herausschnitt. (11.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.08.2018 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:50
Hallo Niedersachsen
04:16
Hallo Niedersachsen
04:31
Hallo Niedersachsen