Stand: 14.03.2019 14:08 Uhr

Marx: "Gutmachen, was möglich ist auf Erden"

Unter Beobachtung: Kardinal Marx hat zum Abschluss der Deutschen Bischofskonferenz von einer "Zäsur" in der katholischen Kirche gesprochen. Kritiker sehen das nicht so.

Die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Lingen ist am Donnerstag mit einer Pressekonferenz zu Ende gegangen. Zum Abschluss des Vier-Tage-Treffens hat der Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx eine Erklärung abgegeben. Tenor bei den Bischöfen: Man wolle einen Diskussionsprozess mit der Basis über die Grundfragen der Kirche eingehen. Marx sprach von einer "Zäsur".

Bischof Bode vor protestierender Menge.

Bischofskonferenz zu Missbrauch: "Neue Wege"

Hallo Niedersachsen -

Am Ende der Bischofskonferenz in Lingen sagte Kardinal Marx, die katholische Kirche wolle neue Wege gehen bei Macht, Sexualmoral und Zölibat. Wie diese aussehen, ist noch unklar.

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Die katholische Kirche will mit der Basis in einen Dialog treten

Der Kardinal sagte: "Die Bischöfe haben erkannt, so kann es nicht weitergehen." Diskutiert werden sollen Themen wie Macht, Zölibat, Sexualmoral und die Partizipation von Frauen und Laien. Im Zusammenhang mit den Missbrauchsskandalen im eigenen Haus sagte Marx: "Wir sind entschlossen, alles zu tun, um sexuellen Missbrauch in der Kirche zu überwinden und den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wir werden gutmachen, was möglich ist auf Erden."

Hier finden Opfer und Angehörige Hilfe

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Bundesweite Anlaufstelle "Kindesmissbrauch"

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Webangebot des Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Bundesweites, kostenfreies Telefon 0800 - 22 55 530 extern

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Hilfeportal sexueller Missbrauch

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Hilfe bei sexuellem Missbrauch an. Über ein Hilfetelefon kann Rat und Beistand geleistet werden. extern

Kritiker sehen keine Zäsur, sondern ein Aussitzen

Kritiker sehen kein Ausbrechen aus verkrusteten Strukturen, wie Marx es darstellte. Das Ergebnis sei, sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster, ein Kompromiss auf Minimalniveau. "Es wird viel evaluiert, untersucht, mit Leuten gesprochen, aber sie nehmen sich unendlich viel Zeit , die sie nicht mehr haben, um sowohl das ernste Thema Umgang mit dem Missbrauch als auch die daraus resultierenden Großthemen, die der Kardinal benannt hat, anzugehen", sagte Schüller. Der Opferverband Eckiger Tisch forderte eine klare Haltung im Hinblick auf die Entschädigung von Missbrauchsopfern. "Die Bischöfe wirken bei dieser Frage überfordert", sagte Verbandssprecher Matthias Katsch.

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Bei der Vollversammlung der Bischöfe haben sich 67 Orts- und Weihbischöfe aus 27 Diözesen mit dem lange tabuisierten Thema beschäftigt. Eine entscheidende Frage war dabei, wie sexueller Missbrauch künftig verhindert werden kann. Laut Kardinal Marx müsse sich die Katholische Kirche zudem fragen, ob die Opfer bislang in angemessenem Maß Anerkennung gefunden hätten.

Maßnahmen beschlossen

Am Mittwoch hatten die katholischen Bischöfe neue Maßnahmen zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche beschlossen. Der Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann kündigte diverse Schritte - auch in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen - an. Dazu werde die Bischofskonferenz zunächst mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, Kriterien und Leitlinien erarbeiten, sagte Ackermann.

Videos
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Abschluss-Erklärung der Bischofskonferenz im Video

Die Kirche will Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in ihren eigene Reihen ziehen. "Wir werden gutmachen, was möglich ist auf Erden", sagte Kardinal Marx. Hier der Mitschnitt der Abschluss-Erklärung. Video (46:56 min)

Täter sollen auch finanziell büßen

Geplant ist auch, dass die Täter im Rahmen der Anerkennungszahlungen selbst zur Kasse gebeten werden. "Wo immer möglich, sollen die Schuldigen des Missbrauchs auch finanziell die Verantwortung übernehmen", so Ackermann. Die Umsetzbarkeit in der Realität sei allerdings eine schwierige Frage, räumte er ein. Denkbar sei zum Beispiel, das Geld den Tätern vom Gehalt abzuziehen. Diesen Vorschlag hatte Ende Februar bereits Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode gemacht. Bislang seien rund 1.900 Anträge von Opfern bei der Zentralen Koordinierungsstelle (ZKS) eingegangen, sagte Ackermann. Derzeit bekommen sie in der Regel bis zu 5.000 Euro. Opferverbände kritisieren das als zu wenig. Ein Gutachten soll daher das bisherige System der Anerkennungsleistungen überprüfen.

Anlaufstellen mit unabhängigem Personal

Ein weiterer wichtiger Punkt sei laut Ackermann die Einrichtung von dezentralen Anlaufstellen für Betroffene in den Bistümer mit jeweils zwei unabhängigen Ansprechpartnern. In den meisten Diözesen sei dies bereits gegeben, betonte der Bischof. Lediglich in fünf Bistümer bestehe noch Nachholbedarf. Um welche es sich dabei handelt, konnte Ackermann auf Nachfrage nicht sagen. Als weitere geplante Maßnahme kündigte er eine Standardisierung der Personalakten von Priestern an. Außerdem solle ein Monitoring eingerichtet werden.

Studie geht von sechsstelliger Opferzahl aus

Laut einer aktuellen Studie der Universität Ulm ist die Zahl der Opfer sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in den Kirchen in Deutschland deutlich höher ist als bislang angenommen. Die Untersuchung geht von rund 114.000 Opfern katholischer Priester aus - und noch einmal so vielen durch evangelische Pfarrer und Kirchenmitarbeiter.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.03.2019 | 19:30 Uhr

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