Stand: 19.01.2019 14:19 Uhr

Mahlzeit! Insektenburger auf dem Vormarsch

von Josephine Lütke
Baris Özel und Max Krämer haben einen Insektenbratling erfunden. Seit knapp einem Jahr kann man ihn in Deutschland kaufen.

Schokoladenkekse mit Würmern, Heuschrecken zum Braten, geröstete Würmer im Müsliriegel oder gemahlene Würmer im Burgerbratling: Seit gut einem Jahr können Insekten als Nahrungsmittel in Deutschland zugelassen werden. Die Nachfrage entwickle sich gut, heißt es von einer Supermarktkette, die unter anderem Insektenburger im Sortiment hat. Erfunden haben sie zwei Jungunternehmer aus Osnabrück. Max Krämer und Baris Özel sind von ihrem bisherigen Erfolg überrascht.

Der Wissenschaftler Florian Fiebelkorn spricht über die Vorteile von Insekten als neues Lebensmittel. © NDR

Kandierte Insekten aus der Apotheke

Lebensmittel aus Insekten sind momentan hip, dabei waren in Deutschland vor gar nicht langer Zeit kandierte Insekten und Maikäfersuppe gar nicht so ungewöhnlich.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Verkauf in mehr als 1.000 Supermärkten

"Wir hatten eigentlich gedacht, wir werden es vielleicht im Laufe eines Jahres schaffen, 20 bis 30 Supermärkte zu überzeugen", sagt Max Krämer. Mittlerweile gibt es ihren tiefgefrorenen Bratling in mehr als 1.000 Supermärkten in ganz Deutschland. 2017 haben die beiden ein paar Hundert Kilogramm auf dem niederländischen Markt verkauft. Jetzt sind es Mengen im zweistelligen Tonnenbereich, die auch in Deutschland angeboten werden. Produziert werden die Bratlinge in den Niederlanden. In riesigen Hallen stehen tausende Kisten übereinander. Darin leben die sogenannten Buffalo-Würmer drei bis vier Wochen. Dann werden sie mit Kälte erst in Schockstarre versetzt und schließlich sterben sie bei noch niedrigeren Temperaturen. Maschinell werden die Würmer dann fein gemahlen.

Dem Ekel entgegenwirken - und Aufmerksamkeit gewinnen

Videos
03:08
Hallo Niedersachsen

Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft?

Hallo Niedersachsen

Seit rund einem Jahr können Produkte aus oder mit Insekten in Deutschland zugelassen werden. In Osnabrück gibt es mehrere Pioniere. Ein Start-up hat sich auf Burger spezialisiert. Video (03:08 min)

Dass die rund 1.000 Würmer in dem Bratling nicht zu sehen sind, ist von ihren Erfindern gewollt. Denn Ekel soll erst gar nicht erzeugt werden. Für rund zwei Milliarden Menschen auf der Welt stehen Insekten auf dem alltäglichen Speiseplan. In Europa allerdings gehören sie nicht selbstverständlich auf den Teller. Auch wenn die Griechen und Römer sie wohl noch auf der Speisekarte hatten: Im Laufe der Zeit sei das verloren gegangen, sagt Biologiedidaktiker Florian Fiebelkorn von der Universität Osnabrück. Außerdem empfinde man vor unbekannten Lebensmitteln Angst und Ekel. Max Krämer und Baris Özel wollen die Europäer daher mit dem nussigen Geschmack ihrer Bratlinge überzeugen. Nahrungsmittel aus Insekten: "Das polarisiert auch", sagt Max Krämer. Für die jungen Unternehmer sei das aber nicht unbedingt schlecht. "Wir haben viel mediale Aufmerksamkeit bekommen." Etliche Berichte, Artikel und Dokumentationen gibt es über die beiden Osnabrücker. Sie haben diverse Innovationspreise gewonnen und bei einer Fernsehshow mitgemacht.

Forscher: Insektenproduktion ist nachhaltig

Bild vergrößern
Schokolade mit Heuschrecken oder Wurm-Riegel: Mittlerweile gibt es verschiedene Insektenprodukte zu kaufen.

Die Idee kam den beiden Jungunternehmern auf einer Asienreise. Der Geruch und Geschmack von Insekten überzeugte sie, als sie das erste Mal in Thailand probierten. Krämer schrieb anschließend seine Bachelorarbeit zu dem Thema. Er verglich die ökologischen Aspekte von der Wurmzucht mit der Rinderzucht und fand heraus, dass es viele Vorteile gibt. Die Insektenproduktion sei nachhaltiger, als die von Schweine-, Hühner- oder Rindfleisch, sagt auch Wissenschaftler Fiebelkorn. "Sie brauchen weniger Land, weniger Wasser. Die Futterverwertungsrate ist höher. Das heißt: ich stecke weniger Futter in Insekten und habe hochwertiges Protein im Vergleich zu Schweinen und Rindern." Einen Nachteil gebe es allerdings: "Wenn Insekten in Europa produziert werden, müssen die Anlagen aufgeheizt werden", so Fiebelkorn. Der Energieverbrauch sei also höher als der bei konventionellen Nutztieren. Vergleichbar mit Fleisch von Schweinen oder Rindern ist laut Fiebelkorn der Protein- und Fettgehalt. Insekten seien also genauso gesund wie Fleisch.

Noch keine Produktion in Deutschland

Aktuelle Studien belegen, dass junge Menschen und Männer eine höhere Akzeptanz haben, solche Produkte zu essen. Mittlerweile gibt es diverse ernstzunehmende Start-Up-Unternehmen, die sich auf dem Markt behaupten. Laut Forscher Florian Fiebelkorn sei erwiesen, dass man eher bereit ist, Insekten noch einmal zu kaufen, wenn man bereits probiert hat. "Der Geschmack ist ein wichtiger Faktor", so Fiebelkorn. Ein Problem seien jedoch politische und rechtliche Barrieren. So ist die Verarbeitung von Insekten als Nahrungsmittel in Deutschland noch nicht erlaubt. Das Thema ist so neu, dass es noch keine klaren Richtlinien gibt. Viele Start-Up-Unternehmen produzieren daher im Ausland. Die Osnabrücker Jungunternehmer finden das schade. "Dadurch kommen lange Transportwege zustande. Würden wir in Deutschland produzieren können, könnten wir eine nachhaltigere Produktion ermöglichen", sagt Baris Özel. Trotzdem: Die Jungunternehmer aus Niedersachsen wollen sich weiter vergrößern. Der Insektenburger soll künftig in noch mehr Supermärkten und Ketten angeboten werden. Wo genau, das ist noch ein Betriebsgeheimnis.

Weitere Informationen

Insekten, Würmer und Co als neue Protein-Quellen

In tropischen Ländern stehen Insekten und Würmer oft auf dem Speiseplan. Bei uns ekeln sich viele davor - zu Unrecht. Die Tiere sind nahrhaft und ein guter Fleischersatz. (03.08.2018) mehr

Insekten essen? Verbraucherzentrale sagt ja

Die Hamburger Verbraucherzentrale findet: Es ist Zeit, mehr Insekten zu essen. Sie will deshalb Vorurteile abbauen und den Hamburgern Insekten-Burger schmackhaft machen. (26.04.2018) mehr

Wie wär's mit Würmern im Burger?

Pfeffer, Salz und rund 1.000 Würmer - zwei Osnabrücker schwören auf diese Mischung. Ihren Würmer-Bratling liefern sie bereits an Restaurants in den Niederlanden und Belgien. (16.08.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.01.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:27
Hallo Niedersachsen
02:29
Hallo Niedersachsen
04:04
Hallo Niedersachsen