Der Name "Weidemark Fleischwaren" steht auf einem Schild am Firmengelände von Weidemark. © dpa - Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Landkreis hebt Schließung von Schlachthof Weidemark auf

Stand: 13.10.2020 19:20 Uhr

Der Schlachthof Weidemark in Sögel hat sich mit dem Landkreis Emsland auf einen eingeschränkten Betrieb geeinigt. Gegen die verordnete Arbeitsquarantäne kann die Gewerkschaft nicht vorgehen.

Nun ist es amtlich: Im Schlachthof Weidemark, der zur Tönnies-Gruppe gehört, dürfen wieder offiziell Schweine geschlachtet werden. Die Schließung durch den Landkreis Emsland aufgrund gehäufter Corona-Infektionen in dem Betrieb ist vom Tisch. Damit hat sich Tönnies gegen den Landkreis durchgesetzt, bevor ein Richter entscheiden musste. Das Verwaltungsgericht Osnabrück teilte am Dienstag mit, dass das entsprechende Verfahren eingestellt werde. Tönnies hatte am Freitag einen Eilantrag gegen die Schließung gestellt.

NGG: "Keine Rechtsmittel gegen Arbeitsquarantäne"

Bereits am Montag war der Betrieb in Sögel unter einer sogenannten Arbeitsquarantäne langsam wieder angelaufen. Um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, dürfen 200 Arbeiter ihre Wohnung nur für den Weg zur Arbeit verlassen. Privat müssen sie sich isolieren, ihre Versorgung im Haushalt übernimmt der Arbeitgeber. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kann gegen die verordnete Maßnahme nach eigenen Angaben keine Rechtsmittel einlegen. Die Quarantäne betreffe vor allem die Freizeit der Mitarbeiter, dafür sei die Gewerkschaft nicht zuständig, sagte NGG-Sprecher Matthias Brümmer NDR 1 Niedersachsen.

Landkreis Emsland unter Druck

Der Druck auf den Landkreis war offenbar groß. Einerseits sieht die Verwaltung in dem Schlacht- und Zerlegebetrieb die Gefahr eines großen Ausbruchs. Bisher sind mindestens 112 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Andererseits produzieren die landwirtschaftlichen Erzeugungsketten Schweine ohne Ende: Die Ställe sind schon voll, zudem müssen Ferkel abgenommen werden, die geplanten Schlachttermine sind erreicht oder schon überschritten. Nach der Entscheidung von vergangenem Mittwoch, Weidemark für mindestens drei Wochen dicht zu machen, protestierten Dutzende Landwirte mit ihren Treckern am Freitag vor dem Kreishaus in Meppen. Inzwischen hat sich ein Landwirt aus Emsbüren wegen Verstößen gegen den Tierschutz selbst beim Landkreis angezeigt, weil seine Ställe überfüllt sind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 13.10.2020 | 17:00 Uhr

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