Stand: 25.11.2017 10:30 Uhr

Imam-Ausbildung: Uni kritisiert GroKo-Pläne

Die Große Koalition in Niedersachsen hat noch gar nicht angefangen zu arbeiten - schon gibt es den ersten Gegenwind. Es geht dabei um eine Passage aus dem Koalitionsvertrag. Dort steht: "Aufbauend auf die seit 2010 bundesweit anerkannten Imam-Weiterbildungsangebote an der Universität Osnabrück soll dort eine grundständige Imam-Ausbildung eingerichtet werden." Bei der Hochschule selbst stößt das allerdings nicht gerade auf Gegenliebe. "Wir bilden keine Imame aus, das wollen wir auch gar nicht", sagte die Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Uni, Martina Blasberg-Kuhnke.

"Verhältnis muss auf gute Basis gestellt werden"

Die Ausbildung von Imamen sei nicht Sache der Universität - es sei wichtig, dass auch gar nicht erst dieser Eindruck entstehe. Analog zu der Ausbildung von Pfarrern und Priestern bei den christlichen Kirchen müsse es dafür ein Ausbildungsinstitut der islamischen Religionsgemeinschaft geben, so Blasberg-Kuhnke weiter. Dazu wäre es wichtig, dass es eine Einigung zwischen dem Land und den muslimischen Verbänden über einen Staatsvertraggäbe oder eine andere Regelung, die Rechtssicherheit schaffe. "Das Verhältnis zwischen den muslimischen Verbänden und dem Land muss auf eine gute Basis gestellt werden."

Weiterentwicklung der Ausbildung geplant

Im niedersächsischen Wissenschaftsministerium verteidigt man die Idee der Ausbildung. Die Universität Osnabrück habe mit ihrem Weiterbildungsangebot für Imame und seelsorgerisches Personal dazu beigetragen, die Kompetenzen dieses Personals zu stärken und sie bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, heißt es aus Hannover. Die Landesregierung wolle hier anknüpfen. Die Hochschule biete aktuell neben Studiengängen für das Lehramt unter anderem einen Bachelor- und Masterstudiengang im Fach Islamische Theologie an. Aber: Anders als bei der Evangelischen oder Katholischen Theologie gebe es bisher keine "zweite Phase" der Ausbildung. Über die Weiterentwicklung der Ausbildung wolle die Landesregierung nun mit allen relevanten Ansprechpartnern sprechen.

Erste Absolventen im Sommer 2018

Der Bedarf an Seelsorgern in den Gemeinden, Krankenhäusern oder Gefängnissen sei zwar groß, so Uni-Sprecherin Blasberg-Kuhnke. "Es darf aber nicht der Eindruck entstehen, als ob wir sofort Massen an Absolventen für ganz Niedersachsen oder den ganzen Norden liefern können", sagte sie. Im kommenden Sommer könnten die ersten Absolventen das Studium abschließen. Sofern sie das in der Regelstudienzeit schaffen, wären das 20 bis 25 Absolventen. Die meisten von ihnen werden wohl als Religionslehrer an Schulen gehen.

Religionslehrer als Seelsorger?

Wofür steht DITIB?

DITIB ist eine Abkürzung für "Diyanet İşleri Türk İslam Birliği", auf Deutsch: "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion". Der größte islamische Dachverband bundesweit hat seinen Sitz in Köln und umfasst rund 900 Moscheegemeinden. Das Ziel von DITIB ist es nach eigenen Angaben, Muslimen einen Ort zur Ausübung ihres Glaubens zu geben und einen Beitrag zur Integration zu leisten. Neben Gemeindezentren organisiert der Verein Bildungs-, Sport- und Kulturangebote.

Doch immer wieder wird kritisiert, dass die DITIB der türkischen Religionsbehörde unterstehe und eine zu große Nähe zum türkischen Staat und der regierenden AKP von Präsident Erdogan habe. Seit dem Putschversuch in der Türkei und der Spitzel-Affäre, bei der es um das Ausspähen von Erdogan-Gegnern in Deutschland geht, gerät die DITIB immer mehr in die Kritik.

Der Arbeitsmarkt für muslimische Geistliche in Niedersachsen ist laut Blasberg-Kuhnke schwierig: Die Ditib-Gemeinden (siehe Infobox) beschäftigten zumeist Geistliche aus der Türkei, für die sie auch nichts bezahlen müssten. Andere Moscheegemeinden könnten sich die Anstellung eines hauptamtlichen Imams oft nicht leisten. Schon länger gebe es daher den Vorschlag, dass Theologen, die als Religionslehrer arbeiten, auch als Seelsorger in Gemeinden oder Krankenhäusern eingesetzt werden.

Koalitionsvertrag: Kein Staatsvertrag mehr als Ziel

Im Januar hatte das Land Niedersachsen die Verhandlungen um einen Staatsvertrag wegen Kritik an Ditib auf Eis gelegt und angekündigt, nach der Landtagswahl die Verhandlungen fortzusetzen. Im Koalitionsvertrag betonen SPD und CDU zwar, die Arbeit der muslimischen Verbände in Niedersachsen wertzuschätzen und den interreligiösen Dialog fortsetzen zu wollen - ein Staatsvertrag wird aber nicht mehr ausdrücklich als Ziel genannt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 25.11.2017 | 09:30 Uhr

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