Stand: 14.09.2020 17:46 Uhr

Fleischindustrie fordert höhere Verbraucherpreise

Schweineschwänze, Schweinepfoten und Kleinfleisch in Plastik verpackt im Supermarkt in München. © picture alliance / imageBROKER
Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wildschwein in Brandenburg hat China die Grenzen für deutsche Schweineprodukte wie Rüssel, Ohren und Pfoten dicht gemacht. (Themenbild)

Niedersachsens Schweinebauern droht die nächste Fleischkrise. Nach mehreren Produktionsstopps zu Hochzeiten der Corona-Pandemie sorgt jetzt die Afrikanische Schweinepest für den nächsten Absatzknick innerhalb weniger Monate: Die Chinesen wollen keine deutschen Schweinerüssel, -ohren und -füße mehr. Sie haben ein Importstopp für Schweineprodukte aus Deutschland - und damit auch für die des größten Schweine-Produzenten Niedersachsens - verhängt. Südkorea hatte zuvor schon seine Grenzen für Schweinefleisch dicht gemacht. Die Konsequenz: Der Preis sinkt. Das Niedersächsische Landvolk schlägt Alarm: Sollte China längere Zeit auf Importe verzichten, wirke sich das früher oder später auf einzelne Betriebe aus.

Absatzmarkt China macht bundesweit 20 Prozent aus

Die Produktionsmenge befinde sich aktuell noch auf konstantem Niveau, sagte Andre Vielstätte, Sprecher der Tönnies-Gruppe, zu der Niedersachsens größter Schlacht- und Zerlegebetrieb Weidemark in Sögel (Landkreis Emsland) gehört. Der asiatische Markt mache mit Öhrchen, Schnäuzchen und Pfötchen rund 20 Prozent vom Absatz aus. "Das war ein gutes Geschäft", sagte Wolfgang Ehrecke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg vergangene Woche. Allein Spitzenreiter China hat im ersten Halbjahr 380.000 Tonnen abgenommen. Die fallen vorerst weg. Deshalb müsse der Verbraucherpreis in Deutschland steigen, so Vielstätte.

Tönnies fordert Regionalisierung der Sperrgebiete

Es sei wichtig, "den Preis für die Bauern zu stabilisieren. Ein längerfristiger Preisverfall würde die bäuerlichen Familienbetriebe sehr schwer treffen", sagte der Tönnies-Sprecher. Vielstätte fordert darüber hinaus bei der Bewertung der Gefahr durch die Schweinepest eine Differenzierung zwischen Wild- und Hausschweinen. "Hierzu müssen wir die chinesischen Behörden überzeugen, dass die sehr hohe Bio-Sicherheit unserer landwirtschaftlichen Produktion vor einem Eindringen des Wildschweinvirus in die Haustierbestände schützt." Außerdem sei ein generelles Ausfuhrverbot unangemessen. "Wir brauchen wir eine Regionalisierung der Sperrgebiete. Ein infiziertes Wildschwein in Brandenburg darf nicht den Export aus ganz Deutschland verhindern", sagte Vielstätte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 14.09.2020 | 13:30 Uhr

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