Stand: 07.01.2019 12:43 Uhr

So schädlich ist das Gefahrgut in der Nordsee

Deutsche Küsten blieben bislang verschont - an niederländischen Stränden wurden nach der Havarie der "MSC Zoe" schon zwei Beutel der gefährlichen Chemikalie Dibenzoylperoxid entdeckt.

Welche Umweltschäden drohen nach der Havarie der "MSC Zoe" in der Nordsee? Knapp eine Woche, nachdem der Megafrachter auf dem Weg vom portugiesischen Sines nach Bremerhaven in einen Sturm geraten war und rund 280 Container verlor, ist dies weiter unklar.

Zwei Gefahrgut-Container vermisst

Das Havariekommando Cuxhaven hat bestätigt, dass unter den noch vermissten etwa 240 Stahlbehältern auch zwei Gefahrgut-Container sind. Einer enthielt demnach 280 Säcke der Chemikalie Dibenzoylperoxid, die zur Kunststoffherstellung verwendet wird. Der zweite vermisste Gefahrgut-Container hatte etwa 1.500 Kilogramm Lithium-Ionen-Batterien geladen, die in 467 Pappkisten verpackt waren, so das Havariekommando. Der mit Dibenzoylperoxid beladene Container wurde bei der Havarie wahrscheinlich beschädigt. Auf der niederländischen Insel Schiermonnikoog waren Ende der Woche zwei 25-Kilo-Säcke mit der Chemikalie angespült worden. Auf deutschem Gebiet wurde bislang kein Dibenzoylperoxid entdeckt.

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120 Säcke mit höherer Konzentration

Dibenzoylperoxid wird unter anderem als Wirkstoff in der Dermatologie und in der Kunststoffherstellung verwendet. Dabei handelt es sich um einen weißen Feststoff, der im trockenen Zustand und bei Erhitzen heftig reagieren und brennen kann. In dem vermissten Container war die Chemikalie in zwei verschiedenen Konzentrationen gelagert: 120 der insgesamt 280 Säcke sind als "umweltgefährdender Stoff" eingeordnet.

Havariekommando: Nur sehr lokal Auswirkungen

Das Havariekommando hält die möglichen Folgen der vermissten Chemikalie dennoch für überschaubar. Wenn der Stoff ins Wasser gelange, erwarte man "- wenn überhaupt - nur sehr lokal Auswirkungen auf die Meeresumwelt", teilte das Havariekommando mit. Die Chemikalie sei nicht wasserlöslich, hieß es. Weil sie in Säcken und Kartons zu je 25 Kilogramm verpackt sei, würde sie aufgrund des Gewichtes zu Boden sinken und dabei verdünnt werden, hieß es.

50 Meter Abstand an Land

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Das Dibenzoylperoxid wurde jeweils in Kunstoffsäcken und in Pappkisten verpackt.

An Land schätzt das Havariekommando die Gefahr für die Umwelt höher ein. Dies betreffe speziell die marine Bodenfauna. Nachhaltige Folgen seien für die Meeresumwelt aber auch hier nicht zu erwarten. Klare Anweisungen gibt es für den Fall, dass Dibenzoylperoxid-Säcke an deutschen Stränden gefunden werden. Wer Pappkisten mit Gefahrstoffkennzeichen oder Kunststoffsäcke mit weißem Pulver entdeckt, solle mindestens 50 Meter Abstand halten und Einsatzkräfte über die Telefonnummer 112 oder 110 informieren, teilte das Havariekommando mit.

Dritter Gefahrgut-Container beschädigt

Beschädigt wurde bei der Havarie auch ein dritter Gefahrgut-Container an Bord der "MSC Zoe": Dieser hatte rund 22 Tonnen Kunststoffkügelchen, verpackt in 30 Säcken, geladen. Wie viel davon in die Umwelt gelangt sind, kann das Havariekommando bislang nicht abschätzen. Der Stoff ist aufgrund seiner Brennbarkeit und seines Gehalts an weiteren Kohlenwasserstoffen als Gefahrgut eingestuft, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.01.2019 | 12:00 Uhr

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