Stand: 24.08.2020 16:29 Uhr

Petermännchen macht die Nordseeküste unsicher

Ein "Petermännchen" schwimmt in einem Aquarium. © dpa-Bildfunk Foto: Wolfgang Runge
Das Kleine Petermännchen zählt zu den giftigsten Tieren Europas.

Obacht vor dem Petermännchen! Der giftige Fisch macht derzeit Küstenurlaubern in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark das Leben schwer. Von Nord- und Ostseeküste sind bisher rund 30 Anfragen zu Verletzungen durch das Kleine Petermännchen im Giftinformationszentrum Nord in Göttingen eingegangen - das seien mehr als Dreiviertel des üblichen Jahresaufkommens, sagte Einrichtungsleiter Martin Ebbecke. Dabei gebe es in diesem Jahr "gar nicht so wenige Anfragen aus Dänemark", sagte Ebbecke gegenüber NDR.de.

Niedersachsen-Schwerpunkt liegt auf Wangerooge

Petermännchen-Hotspot soll in Ebbecke zufolge die Ostfriesische Insel Wangerooge (Landkreis Friesland) sein. "Wir haben eine leichte Häufung gehabt", bestätigte der Leiter der DRK-Wasserwacht auf der Insel, Jonny Mählmann. Er sprach von fünf bis sechs Fällen, in denen Gäste im Watt auf die Fische getreten sind. Im üblichen Jahresdurchschnitt verzeichne Wangerooge zwei oder drei Stiche durch den 15 bis 50 Zentimeter langen Fisch, der sich zur Laichzeit im Frühjahr im flachen Wasser in den Meeresboden eingräbt. "Dagegen helfen Badeschuhe", sagte Ebbecke.

Petermännchen beim Angeln am Haken

Gefährdet sind allerdings auch Angler wie Yannick Schwender aus Heide im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein). Er machte im Juli beim Angeln an der dänischen Ostseeküste bei Ebeltoft unliebsame Bekanntschaft mit einem Petermännchen. "Ich wollte in der Abenddämmerung vom Strand aus Meerforellen fangen, als plötzlich ein kleiner Fisch am Haken zappelte. Ich dachte, es sei ein kleiner Dorsch, und wollte ihn vorsichtig vom Haken abmachen", sagte Schwender. War es aber nicht. Plötzlich habe er einen stechenden Schmerz im Daumen gespürt und von dem Fisch abgelassen. Zwei Tage lang sei er mit einem dicken Finger herumgelaufen. "Ich wusste damals nicht, wie gefährlich es sein kann. Glücklicherweise war es bei mir nicht so schlimm", sagte Schwender.

Ärztliche Behandlung bei Stich notwendig

Neben dem stechenden Schmerz kann ein Stich durch das Kleine Petermännchen - das Große Petermännchen lebt in der tieferen Nordsee und ist weniger giftig - starke Gelenkschmerzen und Schwellungen verursachen. Im schlimmsten Fall könne das Gift zu allergischen Schocks und Herzstillstand führen. Eine ärztliche Behandlung sei notwendig, so Ebbecke. Todesfälle seien ihm nicht bekannt. "Wenn die Tiere gestört werden, können sie sehr schnell sehr hektisch werden. Sie schwimmen in schlängelnden Bewegungen im Zickzack und stellen sofort die Rückenflossen auf", sagte der Biologe Timo Kaminski, Aquariumsleiter im Multimar Wattforum in Tönning im Kreis Nordfriesland (Schleswig-Holstein). "Das ist ihr Schutzmechanismus. Den setzen sie gezielt ein."

Weitere Informationen
Ein Petermännchen-Fisch im Wasser. © fotolia Foto: aquapix

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 24.08.2020 | 17:00 Uhr

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