Stand: 02.05.2019 13:56 Uhr

Insolvenz: Elsflether Werft verwaltet sich selbst

Bild vergrößern
Die Elsflether Werft darf die Geschäfte in der Insolvenz eigenverantwortlich fortführen. Die 130 Mitarbeiter bleiben an Bord.

Das Amtsgericht Nordenham hat am Donnerstag das Insolvenzverfahren gegen die Elsflether Werft AG eröffnet. Wie die Werft aus Elsfleth bei Bremen mitteilte, werde sie den Betrieb ohne Einflussnahme externer Insolvenzberater selbst fortführen. Der Betrieb werde demnach mit allen 130 Mitarbeitern fortgeführt. Die Werft an der Unterweser hatte am 20. Februar die Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Das war nötig, weil das Unternehmen Rechnungen im Zusammenhang mit den enorm gestiegenen Kosten bei der Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" nicht bezahlen konnte. Nach Aussage des neuen Werft-Geschäftsführers Axel Birk belaufen sich die Außenstände auf rund 26 Millionen Euro.

Privatvermögen des Ex-Vorstandes eingefroren

Für die finanzielle Schieflage wird der alte Vorstand um Klaus Wiechmann und Marcus Reinberg, der Ende Januar entlassen wurde, verantwortlich gemacht. Der Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann, geht davon aus, dass sich die Männer persönlich bereichert haben, indem sie Gelder in Form von Darlehen aus der Werft in Firmen gelenkt haben, die ihnen zum Teil selbst gehörten. "Das Geld fehlt bei der Werft, um dort notwendige Zahlungsverpflichtungen zu bedienen", sagte Brinkmann dem NDR. Daher habe das Unternehmen mit zwei Beschlüssen der Landgerichte Hamburg und Oldenburg erwirkt, die Privatvermögen der Ex-Geschäftsführer zu pfänden, wie NDR und ARD exklusiv berichteten. Diese wurden eingefroren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue.

Weitere Informationen

"Gorch Fock"-Werft lässt Vermögen von Ex-Chefs pfänden

Die neue Leitung der Elsflether Werft hat gerichtlich erwirkt, Vermögen der ehemaligen Geschäftsführer zu pfänden. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem NDR vorliegen. (02.05.2019) mehr

"Gorch Fock": Kostenexplosion von 9,6 Millionen auf 135 Millionen Euro

Die Elsflether Werft saniert seit Ende 2015 die "Gorch Fock". Dafür waren ursprünglich 9,6 Millionen Euro eingeplant. Weil aber immer mehr Probleme an dem Großsegler entdeckt wurden, sind bislang etwa 70 Millionen Euro ausgegeben worden. Die Kosten für die komplette Sanierung werden aktuell auf etwa 135 Millionen Euro geschätzt. Das Bundesverteidigungsministerium und die Marine stehen wegen der Kostensteigerung in der Kritik.

Weitere Informationen

"Gorch Fock": Chronologie einer Instandsetzung

Eigentlich sollte die "Gorch Fock" in rund sechs Monaten saniert werden. Jetzt ist sie seit drei Jahren in der Werft, die Kosten explodierten und es gibt einen Korruptionsverdacht. (02.05.2019) mehr

"Gorch Fock": Bundesrechnungshof fordert Gutachter

Der Bundesrechungshof fordert einen externen Prüfer für die "Gorch Fock". Der Experte soll das Segelschulschiff im Dock auf unsachgemäße Sanierungsarbeiten kontrollieren. (11.04.2019) mehr

8 Bilder

"Gorch Fock": Traditionsschiff in der Werft

Die Reparatur des Segelschulschiffs "Gorch Fock" wird teurer und teurer: Aus anfänglich geschätzten zehn Millionen sind nun bis zu 135 Millionen Euro geworden. (20.03.2018) Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.05.2019 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:31
Hallo Niedersachsen
03:39
Hallo Niedersachsen

Nebelmaschinen aus Gehrden

Hallo Niedersachsen
02:45
Hallo Niedersachsen