Impfskandal: Nachgeimpfte erhalten Aufwandsentschädigung

Stand: 17.09.2021 17:34 Uhr

Das Land Niedersachsen und der Landkreis Friesland bieten 10.183 Personen, die sich nach dem Impfskandal von Schortens erneut impfen lassen, eine Aufwandsentschädigung an.

35 Euro sollen diejenigen erhalten, die wegen der Vorfälle eine Impfung wiederholen müssen, 50 Euro, wer zweimal nachgeimpft werden muss. Dafür müssen die Betroffenen einen Antrag stellen. Das Antragsformular steht als PDF-Datei auf der Homepage des Landkreises Friesland zum Download bereit. Es muss ausgefüllt, ausgedruckt und unterschrieben werden und kann per E-Mail oder per Post an den Landkreis geschickt werden. Alternativ kann der Vordruck auch in Papierform bei den Städten und Gemeinden abgeholt werden. Aktuell arbeitet der Landkreis eigen Angaben zufolge auch an einem Online-Formular, das ab Ende kommender Woche zur Verfügung stehen soll.

Extra-Kosten können geltend gemacht werden

Sven Ambrosy, Landrat des Kreises Frieslands, steht für ein Porträt vor der Kamera. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Frieslands Landrat Sven Ambrosy hat mit dem Land eine unbürokratische Lösung für die Betroffenen des Impfskandals geschaffen. (Archivbild)

Der Landkreis Friesland erledigt also Bürokratie und Auszahlung, das Land Niedersachsen stellt das Geld zur Verfügung. Die Aufwandsentschädigung soll eine schnelle Hilfe sein, damit die Betroffenen des Impfskandals nicht den mühsamen Klageweg gegen die Pflegerin oder das DRK beschreiten müssen, sagte Landrat Sven Ambrosy (SPD). "Ich möchte ausdrücklich dem Land Niedersachsen danken, dass wir gemeinsam diese unbürokratische Lösung anbieten können", so Ambrosy. Wer höhere Kosten geltend machen will, müsse diese belegen. Dazu können Verdienstausfälle und Kosten für Kinderbetreuung gehören, sagte der Landrat.

Unterschiedliche Pauschalhöhe auch wegen Telefonkosten

Mehr als 1.200 Menschen haben Anspruch auf eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro für zwei Nachimpfungen, wie eine Sprecherin des Landkreises am Freitag auf NDR Anfrage mitteilte. Dass die Höhe der Pauschalen für die Dritt- und Viertimpfung unterschiedlich ist, läge unter anderem an Telefonkosten. Diese würden bei der Terminvergabe für die Impftermine nur einmal anfallen. Die Pauschale sei in Anlehnung an die Rechtsprechung im Zivilrecht entwickelt worden, so die Sprecherin.

Schon Tausende Nachimpfungen erfolgt

Insgesamt 10.183 Personen sind aufgefordert worden, sich erneut impfen zu lassen. Laut Landkreis haben diese bislang wie folgt reagiert:

  • rund 4.400 Personen haben sich im Kreis Friesland ein drittes Mal impfen lassen
  • vier Personen haben sich im Kreis Friesland ein viertes Mal impfen lassen
  • 627 Personen haben im Kreis Friesland Termine für eine vierte Impfung
  • rund 3.000 Personen haben sich in Impfzentren anderer Landkreise oder bei niedergelassenen Ärzten erneut impfen lassen
  • rund 2.000 Personen haben sich noch nicht gemeldet

Mindestens sechs Spritzen mit zu wenig Impfstoff

Eine Krankenschwester hatte angegeben, im April im Impfzentrum Friesland in Schortens versehentlich eine Ampulle mit Impfstoff zerbrochen zu haben. Um ihren Fehler zu vertuschen, habe sie die Impfstoffreste aus anderen Ampullen auf sechs Spritzen aufgezogen. Zunächst hatte es geheißen, sie habe den entsprechenden Personen ausschließlich Kochsalzlösung gespritzt. Zumindest aber befand sich offensichtlich nicht ausreichend Impfstoff in den Spritzen. Zeugenvernehmungen hatten gezeigt, dass möglicherweise in weit mehr als nur sechs Spritzen zu wenig Impfstoff war.

Hatte Krankenschwester kritische Haltung zum Impfen?

Der Landkreis Friesland hat bislang die genannten 10.183 Menschen aufgefordert, sich erneut impfen zu lassen. Wie viele Menschen genau betroffen sein sind, ist weiter unklar. Die Polizei hatte im August die Ermittlungsgruppe "Vakzin" eingerichtet. Sie ist in Oldenburg angesiedelt und unterstützt die Polizei in Wilhelmshaven. Die Polizei schließt eine "kritische Haltung zum Thema Impfungen" als Motiv der beschuldigten Krankenschwester nicht aus. Sie soll in sozialen Medien entsprechende Einträge geteilt haben. Über ihren Anwalt hatte sie ein solches Motiv zurückgewiesen.

Weitere Informationen
Das Eingansschild des Impfzentrums in Schortens.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.09.2021 | 12:00 Uhr

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