Geplanter Jobabbau: Weil kritisiert Meyer Werft für Vorgehen

Stand: 08.06.2021 13:49 Uhr

Im Konflikt um den drohenden Stellenabbau bei der Meyer Werft hat Ministerpräsident Weil die Unternehmensführung kritisiert. Er rief die Firmenspitze dazu auf, sich wieder an die Regeln zu halten.

Stephan Weil (SPD) hatte sich am Montagnachmittag mit den Meyer-Betriebsräten und Vertrauensleuten der Gewerkschaft IG Metall getroffen. Danach äußerte er sich zu der Online-Abstimmung, bei der die Werftleitung am Wochenende die Belegschaft aufgefordert hatte, per Stimmabgabe zu entscheiden, wie viele Mitarbeiter entlassen werden sollen. "Das war nicht in Ordnung, und wir wollen, dass man fair miteinander umgeht", sagte der Ministerpräsident. "Ich wünsche mir schon, dass das ein Ende hat, das vergiftet die Atmosphäre."

Weil: Stammbelegschaft muss geschützt werden

Weil stellte sich hinter die Forderung der Arbeitnehmervertretenden, die Stammbelegschaft nicht durch Werkvertragsarbeiter zu ersetzen. "Ich finde es absolut richtig, wenn Betriebsräte und Gewerkschaften sagen, die Stammbelegschaft unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger hier in Ostfriesland und im Emsland, die muss geschützt werden." Arbeitnehmer aus anderen Ländern dürften nicht deren Arbeit übernehmen.

Betriebsratschef: "Das gibt uns Rückenwind"

Nico Bloem, Betriebsratsvorsitzender der Meyer-Werft, spricht während der Betriebsversammlung zu den Mitarbeitern. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Nico Bloem, Betriebsratsvorsitzender der Werft.

Nach dem einstündigen Treffen waren große Teile der Belegschaft dankbar für die klaren Worte, wie es Betriebsratschef Nico Bloem formulierte. "Das gibt uns Rückenwind", sagte er. Die Werftleitung äußerte sich am Montag nicht. Vor dem Besuch des Ministerpräsidenten waren am Mittag rund 1.500 Beschäftigte zu einer Betriebsversammlung vor den Toren der Werft zusammengekommen. Dabei flog eine Drohne über die Belegschaft hinweg. Ministerpräsident Weil kritisierte den Einsatz dieser Drohne. Die Werftspitze wies am Dienstag in einer Mitteilung Überwachungs-Vorwürfe zurück. Auch sei niemand daran gehindert worden, an der Versammlung teilzunehmen.

Seit Monaten keine Verständigung

Die Meyer Werft als größter deutscher Schiffbaubetrieb steckt wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche in Schwierigkeiten. Zwischen der Geschäftsführung einerseits und dem Betriebsratschef Nico Bloem und der IG Metall andererseits gibt es seit Monaten keine Verständigung. Für die Werftspitze steht fest, dass Stellen abgebaut werden müssen. Bei dem Konflikt handele es sich um eine "verhärtete Lage, die wir in keinem anderen Unternehmen in Niedersachsen derzeit vorfinden", sagte Ministerpräsident Weil.

Umfrage vertieft Gräben

Wie viele Jobs wegfallen - darüber sollten die Beschäftigten am Sonnabend in einer Online-Umfrage abstimmen. Es ging um 660 oder 1.000 zu streichende Arbeitsplätze. Nach Firmenangaben gab es unter den Teilnehmenden der Umfrage eine überwältigende Zustimmung von 93 Prozent für den Verlust von nur 660 Jobs. Die Sache hat aber einen Haken: Jeder verbleibende Mitarbeiter soll dafür einen Beitrag von 200 unbezahlten Arbeitsstunden im Jahr leisten.

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Arbeitnehmervertretende kritisieren Abstimmung

Das Vorgehen der Werft hat die Gräben weiter vertieft: Der Betriebsrat und die Gewerkschaft halten die Umfrage für rechtswidrig, weil die Arbeitnehmervertretenden bei der Abfrage nicht eingebunden gewesen seien. Außerdem sei es eine Wahl zwischen Pest und Cholera gewesen, an der sich weniger als die Hälfte der insgesamt 4.200 Werft-Beschäftigten beteiligt hätten, so die Gewerkschaft. Die Werft habe den Weg der Demokratie verlassen, sagte Thomas Gelder, Bevollmächtigter der IG Metall in Leer/Papenburg dem NDR in Niedersachsen. Am Rande der Betriebsversammlung drückten einige Werftbeschäftige ihr Gefühl aus, wonach sie sich von der Werftspitze wie Stimmvieh behandelt fühlten - als wenn es dabei nicht um Menschen und Existenzen gehen würde.

2025 sind die Aufträge abgearbeitet

Die Meyer Werft beschäftigt 3.600 Mitarbeiter in der Stammbelegschaft und etwa 900 Mitarbeiter in Tochterfirmen. Für neue Kreuzfahrtschiffe besteht wegen der Corona-Pandemie in den kommenden Jahren kaum Nachfrage. Den Bestand an Aufträgen arbeitet die Werft verlangsamt bis 2025 ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.06.2021 | 13:30 Uhr

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