Stand: 21.09.2018 16:01 Uhr

Gasförderung in Trinkwasserzone: Anwohner in Angst

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Das Unternehmen DEA will in der Nähe von Verden Erdgas fördern - allerdings liegt die Bohrstelle in einem Trinkwasserschutzgebiet.

Wenn Erdgas-Unternehmen in Trinkwasserschutzgebieten bohren wollen, ist das nicht so einfach. In der Regel schreiben Bundesgesetze eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor um zu schauen, ob das Trinkwasser durch die Förderung belastet würde. Eigentlich. Doch das entsprechende Gesetz greift erst ab einer täglichen Fördermenge von einer halben Million Kubikmeter Gas. Genau dieses formale Schlupfloch will jetzt offenbar das Erdgas-Unternehmen DEA nutzen und im Wasserschutztgebiet Panzenberg nordöstlich von Verden bohren. Eine Umweltveträglichkeitsprüfung? Der Konzern sagt: Braucht es nicht. Schließlich sollen weniger als 500.000 Kubikmeter Erdgas am Tag heraufgeholt werden. Das erzürnt die Menschen in der betroffenen Region.

Althusmann fordert: Landkreis soll DEA bohren lassen

Viele Anwohner haben nun Angst um ihr Trinkwasser und fordern eine genaue Untersuchung. Auch Anwälte wurden bereits eingeschaltet. Das Landesbergbauamt will bislang auf die Umweltverträglichkeitsprüfung verzichten - eben weil die von der DEA angepeilte Fördermenge unter der Grenze liege, die ein Gutachten nötig machen würde. In einem Schreiben an die Verdener Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth hat Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) darauf hingewiesen, dass die DEA "für das geplante Vorhaben auch eine Erlaubnis nach den Maßgaben der Schutzgebietsverordnung für das Wasserschutzgebiet Panzenberg" benötige. Der Landkreis stemmt sich bislang jedoch dagegen und setzt darauf, dass das Landesbergbauamt seine Einschätzung noch einmal überdenkt. Minister Althusmann sicherte in dem Schreiben zu, er werde "die DEA nachdrücklich auffordern, freiwillig eine solche UVP durchzuführen". Das habe der Minister inzwischen getan, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag im Gespräch mit NDR.de.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, Minister Althusmann habe den Landkreis Verden aufgefordert, dem DEA Antrag zuzustimmen. So sei das Schreiben des Ministers aber nicht zu verstehen, erklärte ein Sprecher am Freitag. Vielmehr habe der Minister lediglich den Verfahrensweg dargestellt und darüber hinaus zugesichert, sich bei DEA für eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung stark zu machen.

 

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Dieses Thema im Programm:

Regional Oldenburg | 20.09.2018 | 17:00 Uhr

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