Expeditionsleiter "Polarstern": Das Eis der Arktis stirbt

Stand: 12.10.2020 18:03 Uhr

42 Grad Minus, teils völlige Dunkelheit und Meereisschmelze: Ein Jahr waren Forscher mit der "Polarstern" auf Arktis-Expedition. Am Montag ist das Schiff in die Heimat zurückgekehrt.

"Sie sehen mich überglücklich", sagte Expeditionsleiter Markus Rex nach der Ankunft am Montagmorgen in Bremerhaven. Die Fahrt sei ein voller Erfolg gewesen, so Rex. Die Forscher hätten Unmengen an Daten gewonnen, die nun noch über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte die Wissenschaft beschäftigen würden. Zudem sei er auch froh darüber, dass alle an Bord ihre Finger behalten hätten, "weil es bei einem auf der Kippe stand".

"Größte Arktis-Expedition aller Zeiten"

Die "Polarstern" war am Montagmorgen unter anderem von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) empfangen worden. Viele Schaulustige verfolgten die Ankunft des Forschungseisbrechers von den Weserdeichen aus. Mit der Rückkehr endet die spektakuläre "Mosaic"-Expedition zur Erforschung des Klimasystems am Nordpol. Die "Polarstern" war am 20. September 2019 vom norwegischen Tromsø aus zu der nach eigenen Angaben bislang größten Arktis-Expedition aller Zeiten aufgebrochen. Unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) waren Hunderte Wissenschaftler von 80 Instituten aus 20 Ländern in wechselnden Crews an Bord. Fast zehn Monate driftete das Schiff durch das Nordpolarmeer - angedockt an eine Eisscholle. So konnten die Wissenschaftler den gesamten Eiszyklus vom Gefrieren bis zum Schmelzen messen und dokumentieren.

"Wir haben gesehen, wie das Eis der Arktis stirbt"

Die Forscher sammelten Daten über Atmosphäre, Meereis, Ozean, Ökosystem und Biogeochemie. Diese Daten würden die Arktisforschung nachdrücklich beeinflussen, so Expeditionsleiter Rex. Die Forscher wurden im Sommer zudem Zeugen einer historischen Meereisschmelze. "Wir haben gesehen, wie das Eis der Arktis stirbt", sagte Rex.

Zehn Millionen Euro für Daten-Auswertung

Das Budget für die Expedition betrug den Angaben zufolge mehr als 140 Millionen Euro. Karliczek sagte am Montag weiteres Geld zu: Zehn Millionen Euro für die Auswertung der Daten, damit möglichst schnell Ergebnisse vorliegen. "Nur wenn wir wissen, wie sich das Klima in der Arktis entwickelt, sind wir in der Lage, auch bei uns in Deutschland Vorsorge gegen Klimaveränderung zu treffen und effektiv dem Klimawandel entgegenzuwirken", so die Ministerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.10.2020 | 06:30 Uhr

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