Stand: 20.04.2020 07:08 Uhr

Weil: "Erinnerung muss wachgehalten werden"

Gabriele Andretta, Präsidentin des Niedersächsischen Landtags und Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen (SPD) stehen vor dem Jüdischen Mahnmal während der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen. © dpa - Bildfunk Foto: Peter Steffen
Mit einer Kranzniederlegung haben Niedersachsens Ministerpräsident Weil und Landtagspräsidentin Andretta (beide SPD) an die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen vor 75 Jahren erinnert.

Vertreter aus Landespolitik, jüdischen Gemeinden und der Gedenkstätte Bergen-Belsen haben am Vormittag an den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers erinnert. Bergen-Belsen sei und bleibe eine offene Wunde in der Geschichte, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in seiner Ansprache. "Wir gedenken in tiefer Trauer und in tiefer Scham der Opfer." Die Zeremonie fiel wegen der Corona-Pandemie deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant.

VIDEO: Jahrestag: Kranzniederlegung in Bergen-Belsen (2 Min)

Weil: Die richtigen Lehren aus der Vergangenheit ziehen

Weil rief in seiner Rede dazu auf, die Erinnerung an Bergen-Belsen und die Verbrechen der NS-Zeit wachzuhalten. Dabei sei besonders wichtig, "die richtigen Lehren zu ziehen, und auch heute gegen alle Anzeichen von Antisemitismus, Rassismus und Unterdrückung mit aller Konsequenz vorzugehen". Neben dem Ministerpräsidenten legten unter anderem der Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) und der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, Kränze an der Inschriftenwand der Gedenkstätte nieder. Dort wird an die Opfer des KZ erinnert. Auch der stellvertretende Ministerpräsident Bernd Althusmann (CDU), Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und die Fraktionsvorsitzenden Hanne Modder (SPD), Dirk Toepffer (CDU), Julia Willie Hamburg (Bündnis 90/Die Grünen) und Stefan Birkner (FDP) nahmen an der Zeremonie teil.

Große Gedenkfeier wird 2021 nachgeholt

Eigentlich sollte der Jahrestag mit rund 5.000 Gästen und rund 120 Überlebenden begangen werden. Die Zeitzeugen hätten gern den besonderen 75. Jahrestag der Befreiung am historischen Ort verbracht, "an dem sie selbst leiden mussten und an dem viele ihrer Angehörigen und Freunde gestorben sind", sagt Gedenkstättenleiter Wagner. Zwar sollen die Feierlichkeiten im kommenden Jahr nachgeholt werden, allerdings wüssten viele der hochbetagten Überlebenden nicht, ob sie dann noch reisefähig seien, so Wagner. "Oder ob sie überhaupt noch leben." Umso wichtiger sei es, dass auch mit Angeboten im Internet erinnert werde. Das sieht auch Michael Fürst so. Über das Internet "sind wir heute doch miteinander verbunden", sagte der Landesverbands-Präsident der jüdischen Gemeinden. Die Botschaft der Überlebenden bleibe wichtig, auch für die jüngeren Generationen.

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"In Belsen ist man ganz einfach krepiert"

Bergen-Belsen ist weltweit ein Symbol für die Verbrechen der Deutschen in der NS-Zeit. Die Wehrmacht errichtete 1940 rund 60 Kilometer nordöstlich von Hannover ein Kriegsgefangenenlager. Im April 1943 übernahm die SS Teile des Geländes für ein Konzentrationslager. In Bergen-Belsen starben mehr als 52.000 KZ-Häftlinge und rund 20.000 Kriegsgefangene. Die Überlebende Anita Lasker-Wallfisch beschreibt es in ihrer Videobotschaft so: "Belsen war einzigartig, es war kein Vernichtungslager, hier gab es keine Gaskammern, in Belsen ist man ganz einfach krepiert." Die 94-jährige Cellistin, die in London lebt, hätte die Hauptrede bei der ursprünglich geplanten Gedenkfeier halten sollen. Wegen der Corona-Pandemie konnte Lasker-Wallfisch nicht anreisen.

Die Woche der Befreiung auf NDR.de

NDR Niedersachsen widmet sich der Geschichte Bergen-Belsens in der Woche des 75. Jahrestages der Befreiung unter anderem in einem Ticker auf dem Twitter-Account von NDR Niedersachsen, in dem die letzten Tage des KZ nacherzählt werden. Die Täter rückt ein Visual Storytelling in den Fokus. Welche Menschen begingen solch fürchterliche Verbrechen? Wie ging es nach dem Krieg für sie weiter? Konnten sie bestraft werden? Stellvertretend für viele von ihnen wird die Geschichte von Adolf Haas erzählt, der der erste KZ-Kommandant von Bergen-Belsen war.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.04.2020 | 19:30 Uhr

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