Lüneburg: Prozessbeteiligte sitzen in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Ritterakademie. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Verwaltungsgericht Lüneburg verhandelt Streit um Grundwasser

Stand: 06.10.2021 21:27 Uhr

Darf der Versorger Hamburg Wasser im Jahr 16,1 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Landkreis Harburg fördern? Das Verwaltungsgericht Lüneburg verhandelt sechs Klagen gegen eine Erlaubnis.

von Björn Ahrend

Die Genehmigung war vor zweieinhalb Jahren vom Landkreis Harburg ergangen. Der städtische Versorger würde aber gern mehr als die 16,1 Millionen Kubikmeter fördern dürfen. Derzeit sind es einem Sprecher zufolge etwa 15,7 Millionen Kubikmeter jährlich. Das Unternehmen beruft sich hauptsächlich auf den steigenden Trinkwasserbedarf der wachsenden Metropole. Dem gegenüber stehen fünf Klagen von Privatpersonen, einem Umweltverband und der Klosterkammer Hannover. Sie kritisieren, dass selbst die vom Landkreis gestattete Entnahmemenge noch zu hoch sei. Und befürchten, dass Flussläufe und Feuchtgebiete in der Region austrocknen könnten. Das Verwaltungsgericht wird sorgsam abwägen müssen zwischen dem Umweltschutz und dem Recht auf Trinkwasser. Für die Verhandlung sind zunächst drei Prozesstage angesetzt.

Sicher planen oder später anpassen?

Für das Unternehmen Hamburg Wasser stellt die Nordheide ein wichtiges Förder-Areal dar, um die Großstadt mit Trinkwasser zu versorgen. Seit den 1980er Jahren pumpt das Unternehmen hier Grundwasser ab. Aus seiner Sicht ist eine Erhöhung von mehr als 17 Prozent auf dann 18,4 Millionen Kubikmeter "zwingend erforderlich, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen". Und das am liebsten in rechtlicher Form einer Bewilligung, die diese Menge auf 30 Jahre festschreibt. Der Landkreis hat jedoch lediglich eine so genannte "gehobene Erlaubnis" erteilt, die die von Hamburg Wasser beantragte Menge zwar prinzipiell erlaubt - aber eben nur, wenn auf lange Sicht das jährliche Mittel von 16,1 Millionen Kubikmeter eingehalten wird. Außerdem behält sich der Landkreis weitere Möglichkeiten vor, nachzujustieren. Landkreis-Sprecher Bernhard Frosdorfer dazu: "Es ist unsere Auffassung, dass auch so für Hamburg die Versorgungssicherheit gegeben ist."

Angst vor Trocken-Schäden

Naturschützer wie Gerhard Schierhorn beobachten jedoch seit Jahren, dass in der Region Oberläufe von Flüssen wie zum Beispiel der Este trocken fallen und auch Feuchtgebiete leiden. Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide sieht einen direkten Zusammenhang mit den Brunnen von Hamburg Wasser - und setzt sich dafür ein, dass Hamburg Wasser zukünftig deutlich weniger fördern darf als der Landkreis dem Unternehmen im April 2019 zugestanden hat. "Werden die Sommer trockener, dann benötigen die Landwirte im Landkreis Harburg zukünftig selbst deutlich mehr Wasser, um ihre Felder zu beregnen. Außerdem wirkt sich der Klimawandel negativ auf die Neubildung von Grundwasser aus", sagt Schierhorn. Er hofft, dass der Prozess zu einem "fairen Ausgleich" der verschiedenen Interessen führt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 06.10.2021 | 15:00 Uhr

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