Uelzen: Landwirtin lebt mit Mikrochips unter der Haut

Stand: 29.04.2021 20:15 Uhr

Für manche Menschen ist die Vorstellung mit einem Mikrochip unter der Haut zu leben, eine Horrorvorstellung. Für Landwirtin Juliane von der Ohe ist es nach eigenem Bekunden eine Alltagserleichterung.

von Johannes Koch

Hand an den Türknauf, kurz warten, schon ist die Tür offen. Einen Schlüssel braucht die 60-Jährige nicht mehr. Die Landwirtin aus der Nähe von Uelzen hat sich einen Chip in die Hand implantieren lassen. Kommt sie an die Tür, dann wird diese automatisch entriegelt. "Ich bin extrem schusselig und habe mich schon so extrem oft ausgesperrt und meinen Schlüssel nicht dabei gehabt, dass ich irgendwann gesagt habe: Ich brauche eine Technologie, die ich an der Frau habe", sagte sie.

Technik eigentlich nicht neu

Vor eineinhalb Jahren bekam die Landwirtin ihren ersten Chip. Inzwischen sind es drei: Einer zum Türöffnen, einer zum Entsperren des Computers und einer zum kontaktlosen Bezahlen. Der Bezahl-Chip ist allerdings vor Kurzem kaputt gegangen. Er muss ausgetauscht werden. "Die Technik hinter den implantierten Chips ist nicht neu", sagte Laura Hille von der Leuphana Universität in Lüneburg. Sie forscht seit sechs Jahren zum Thema Biohacking und sogenannten RFID-Chips. RFID steht für Radio-Frequency Identification. Es handelt sich um eine Technologie für Sender-Empfänger-Systeme zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen. "Wir sind umgeben von Tausenden solcher Chips: In der Logistik, auf Paketen, in Klamotten oder in Läden", auch Tiere würden seit Jahren gechipt. Nun würden Mikrochip-Implantate auch für den Menschen immer populärer, so die Wissenschaftlerin.

Ist das denn sicher?

Juliane von der Ohe ist überzeugt, es gibt nichts Sichereres als wichtige Daten unter der Haut zu haben. Schließlich müsste jemand direkt mit dem Lesegerät an das Implantat kommen. Die Wahrscheinlichkeit einen Schlüssel zu verlieren, sei höher, so die Landwirtin. Auch Mikrochip-Expertin Hille ist überzeugt: "Ein RFID-Chip unter der Haut ist sehr viel sicherer als zum Beispiel ein Smartphone".

Gesundheitsdaten für den Notfall

Und deshalb plant die Landwirtin bereits ihren nächsten Chip: er soll Gesundheitsdaten speichern - für den Notfall - so könnte ein Notarzt sofort wichtige Daten an ihrem Körper scannen. Die Chips unter der Haut - für Juliane von der Ohe ist das keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 29.04.2021 | 19:30 Uhr

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