Stand: 23.04.2015 12:52 Uhr  | Archiv

Traum von der eigenen Biermarke wurde wahr

Pils, Alt, Kölsch, Weizen - Bier wird in Deutschland wieder beliebter. Nachdem der Konsum in den vergangen Jahren stetig zurückgegangen ist, haben die Menschen hierzulande 2014 wieder häufiger damit angestoßen. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leicht gestiegen - auf 99,5 Liter im Jahr. Das liegt möglicherweise auch an einem relativ neuen Trend: Viele Menschen entscheiden sich inzwischen für ein Bier von der Brauerei um die Ecke, oder sie brauen es sich gleich selbst. So wie Torben Sass, der zusammen mit Ehefrau Julia im niedersächsischen Tarmstedt im Landkreis Rothenburg-Wümme lebt.

Ein Bierbrauer steht an einer Bier-Abfüllanlage. © NDR Foto: Arne Meyer
Torben Sass füllt frisch gebrautes Bier seiner Marke "Burzel Bräu" in eine Flasche.

Andere würden in dem 38 Quadratmeter großen Anbau neben dem Wohnhaus ihre Fahrräder oder Gartenmöbel abstellen, doch für Torben Sass bietet er Platz für seine Mini-Brauerei. Der Boden in dem Gebäude ist gefliest und frisch abgespritzt. Silberne Kessel stehen dort, ein kleiner Kühlraum mit Tanks, sowie zwei weitere Anlagen: eine, die die Flaschen reinigt, eine andere, die sie befüllt. Auch das Verschließen und Etikettieren der Bierflaschen übernimmt Sass eigenhändig.

Im Hauptberuf Brauerei-Berater

Es wäre nicht übertrieben zu sagen: Bier spielt seit vielen Jahren eine sehr große Rolle im Leben des 39-Jährigen. Nach dem Abitur machte der Niedersachse eine Lehre als Brauer und Mälzer in Bremen. In Bayern vertiefte er sein Wissen, studierte dort Brauwesen. Inzwischen berät er hauptberuflich Brauereien. Um aber - wie er sagt - den direkten Kontakt zum Bier nicht zu verlieren, braut er seit einigen Jahren selber.

In den kalten Jahreszeiten sind es circa 50 Ein-Liter-Flaschen pro Monat. Im Sommer kann es aber schon mal die acht- oder zehnfache Menge sein. "Ich sage immer spaßeshalber, dass es die kleinste Brauerei Deutschlands ist. Letztendlich soll es aber ein Hobby bleiben. Es wird nie soweit kommen, dass man davon leben kann. Das macht aber auch nichts", sagt Sass.

Craft-Beer-Szene wächst weiter

Der Hobby-Bier-Brauer steht damit für einen Trend. In Deutschland ist die Zahl der Klein- und Kleinstbrauereien in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Vor allem in größeren Städten wie Berlin und Hamburg hat sich eine - wie es neudeutsch heißt - lebendige Craft-Beer-Szene entwickelt, die das Handwerk pflegt und ausgefallene Sorten braut. "Wir freuen uns drüber, dass in Deutschland nicht mehr nur länger über den günstigsten Preis im Supermarkt gesprochen wird. Sondern dass wieder gesprochen wird über Biervielfalt, über Braukultur, über die Rohstoffe. Zu dieser positiven Diskussion tragen natürlich auch junge und neue Brauereien, trägt natürlich auch die Craft-Szene bei", sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes.

"Oh, es gibt wieder Burzel-Bräu"

Rund 6.000 Biere gibt es in Deutschland, die Sorten von Sass gehören dazu. "Das Burzel Bräu Original ist ein sehr mild-aromatisches Bier mit einer guten Malznote, von der Farbe ein bisschen dunkler. Und das Burzel Bräu Hell ist auch ein mild-aromatisches Bier, nur mit Aromahopfen gebraut und hopfenbetont", beschreibt der Niedersachse seine "Hausmarken".

Das Bier heißt Burzel Bräu, weil Sass' Vater den nahezu zwei Meter großen Mann seit Jahr und Tag "Burzel" ruft. Und auch seine Freunde nennen ihn so: "Immer wenn wir gebraut haben, hieß es: 'Oh, es gibt wieder Burzel-Bräu.' Das war aus den Köpfen nicht wieder rauszubekommen."

Familien-Hobby der etwas anderen Art

Sechs bis sieben Wochen dauert es, bis ein Bier fertig ist und in Fass oder Flasche kommt. Inzwischen verkauft Sass das Bier mehr oder weniger zum Selbstkostenpreis über den Getränkemarkt im Ort. Das Etikett für die Flaschen hat der Bruder entworfen, das seine Frau Julia an diesem Nachmittag auf die Ein-Liter-Flaschen klebt. Aus der kleinen Brauerei ist so ein Hobby für die ganze Familie geworden. "Anfangs fand ich das ziemlich verrückt. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich da irgendwann mal mitmache. Aber mit der Zeit wurde das für mich auch interessant. Und dann ist das so passiert, irgendwie."

Natürlich trinkt Sass gelegentlich ein Pils von der großen Konkurrenz. Dass aber auch kleine Brauereien inzwischen erfolgreich sind, wundert ihn nicht: "Das Ganze hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass die ganzen Industrie-Biere relativ ähnlich schmecken."

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NDR Info | 23.04.2015 | 07:38 Uhr

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