Eine Angeklagte spricht in einem Gerichtssaal mit ihrer Verteidigerin. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Totschlags-Prozess: Mutter soll Sohn in Wümme geworfen haben

Stand: 13.04.2021 14:01 Uhr

Vor dem Landgericht Verden hat am Dienstag der Totschlags-Prozess gegen eine 40-jährige Mutter begonnen. Sie soll im November ihren vierjährigen Sohn in Rotenburg in die Wümme geworfen haben.

Laut Anklage warf sie ihren Sohn in den Fluss, weil sie ihn wenige Tage zuvor mit heißem Wasser schwer verbrüht hatte und deshalb befürchtete, das Sorgerecht zu verlieren. Den Mitarbeitern im Krankenhaus kamen die Verletzungen verdächtig vor, sie wollten das Jugendamt einschalten. Deshalb floh die 40-jährige Türkin mit ihrem Sohn aus der Rotenburger Kinderklinik, wo der kleine Junge bereits dreimal wegen seiner Verbrennungen operiert worden war. In der Vorstellung der Frau, habe der Verlust des Sorgerechts auch bedeutet, dass der Junge nicht als Muslim, sondern als Christ aufwachsen würde, sagte Staatsanwältin Pia Geisler am Dienstag. Deshalb habe die Angeklagte ihren Sohn über das Geländer der Brücke ins Wasser geworfen, um ihn zu töten.

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Rettungskräfte konnten den Jungen später nur noch leblos aus der Wümme bergen. Eine anschließende Obduktion des Leichnams ergab, dass das Kind ertrunken war. Nach der Tat versuchte die 40-Jährige, sich selbst das Leben zu nehmen. Sie überlebte und wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Der Unterbringungsbefehl wurde nach Angaben eines Gerichtssprechers Anfang März in einen Haftbefehl umgewandelt.

Prozess vertagt

Die Angeklagte wollte zu Prozessauftakt aussagen - allerdings bekam sie kein Wort heraus, so aufgewühlt war sie laut Prozessbeobachtern. Auch musste sie immer wieder weinen. Der Prozess wurde nach einer Stunde auf den 30. April vertagt, dann soll sich die Angeklagte schriftlich äußern, so der Richter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 13.04.2021 | 15:00 Uhr

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