Stand: 20.07.2020 14:34 Uhr

Spurlos? Ermittler blickt auf Fall Drage zurück

von Johannes Koch

Michael Düker biegt mit seinem Wagen langsam in ein Neubaugebiet in Drage (Landkreis Harburg) ein. Die Straße führt direkt auf das Haus zu, aus dem vor fünf Jahren die Familie Schulze spurlos verschwand. Mutter Silvia, Vater Marco und Tochter Miriam. Düker wurde damals mit den Ermittlungen beauftragt. Er erinnert sich. "Wir haben alle persönlichen Gegenstände gefunden. Die Autos waren da, die Handtasche der Frau war da. Es fehlte scheinbar nichts", sagt er.

VIDEO: Drage: Mutter und Tochter Schulze seit 2015 vermisst (5 Min)

Vater stirbt in der Elbe

Die große Suche beginnt. Taucher suchen in der Elbe, Spürhunde und Hundertschaften der Polizei durchkämmen das Ufer. Die Medien werden informiert. Es dauert eine Woche, bis die Ermittler wenigstens etwas Klarheit haben: In Lauenburg finden Passanten eine Leiche am Elbufer. Es handelt sich um Marco Schulze. Der 41-Jährige hat sich mit einem festgebundenen Betonklotz von einer Brücke gestürzt. Suizid, ist sich die Polizei sicher. Von seiner zwölfjährigen Tochter und der 43 Jahre alten Frau fehlt weiterhin jede Spur.

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Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen bei Hohnstorf/Elbe auf einer Brücke die über die Elbe nach Lauenburg führt. © dpa - Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Das Verschwinden der Schulzes - eine Chronologie

Das Schicksal der Familie Schulze aus Drage ist ungelöst: Vater Marco ertränkte sich vor fünf Jahren, seine Frau Sylvia und Tochter Miriam bleiben vermisst. Die Chronologie des Falls. Bildergalerie

Was geschah am Mühlenteich?

Hat Marco Schulze seine Tochter und seine Frau umgebracht? "Wir hatten keine Spuren mehr. Wir wussten nicht mehr, wo wir ansetzen können", erinnert sich Ermittler Düker. Ein Zeugenaufruf wird gestartet - mit Erfolg: Eine Zeugin gibt an, die ganze Familie am frühen Abend des Tages vor ihrem Verschwinden gesehen zu haben - am Mühlenteich in Holm-Seppensen. Hunde bestätigten die Spuren, doch Leichen werden von den Polizeitauchern nicht entdeckt.

"Gibt etliche Dinge, die nicht geklärt sind"

Nach der erfolglosen Suche am Mühlenteich wird die Sonderkommission nach und nach verkleinert; im März 2016 schließlich ganz aufgelöst. In Drage kehrt wieder eine gewisse Normalität ein. Heute möchte im Ort kaum noch jemand über das Thema sprechen. Die Erinnerung an Familie Schulze verblasst zunehmend. Drages Bürgermeister, Uwe Harden (SPD) sagt: "Menschen schützen sich mit Verdrängung davor, ständig an unangenehme Dinge erinnert zu werden. Es gibt etliche Dinge, die nicht geklärt worden sind und damit muss man leben."

Für immer ungelöst?

Düker ist jetzt seit zwei Monaten pensioniert. Die verschwundene Familie aus Drage war sein aufsehenerregendster Fall und wird möglicherweise für immer ungelöst bleiben. "Natürlich überlegt man: 'Was könntest du vergessen haben? Was hast du übersehen?' Aber uns ist nichts eingefallen", sagt er. Düker hofft, dass Mutter und Tochter irgendwann gefunden werden. "Ich selbst wäre natürlich gerne am Auffindeort, um dann persönlich auch die letzten Informationen zu erhalten, wo sie liegen und was da möglicherweise passiert ist."

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Einsatzkräfte der Polizei bei Holm-Seppensen während der Suche nach einer vermissten Mutter und ihrer Tochter.

Fall Drage: Polizei reduziert Sonderkommission

Familie Schulze bleibt seit Ende Juli verschwunden. Nach der intensiven, aber ergebnislosen Suche bei Buchholz in der Nordheide reduziert die Polizei die Sonderkommission. (25.08.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 20.07.2020 | 06:00 Uhr

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