Stand: 11.05.2018 14:05 Uhr

Polizisten bei Stadtfest in Winsen angegriffen

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In Winsen ist am Donnerstag ein Polizeinsatz eskaliert. Eine Polizistin wurde verletzt (Symbolfoto).

Am Rande des Stadtfestes in Winsen (Landkreis Harburg) ist am Donnerstagabend ein Polizeieinsatz eskaliert. Bei einer geplanten Personalienfeststellung eines 24-Jährigen wurde die Beamten zunächst von einem 22-jährigen Begleiter des Mannes geschubst, im Gerangel verletzte der 24-Jährige darauf eine Polizistin am Fuß. Nachdem weitere Polizisten den Mann überwältigt hatten und in einen Streifenwagen brachten, eskalierte die Situation weiter: "Unbeteiligte Festbesucher" mischten sich nach Angaben der Polizei in die Situation ein, "solidarisierten" sich mit dem Festgenommenen und beschimpften Beamte.

Pfefferspray im Einsatz

Die Polizisten setzten schließlich mehrfach Pfefferspray ein, um die Menge auf Abstand zu halten. Laut Polizeiangaben hätten die Festbesucher zuvor eindeutige Aufforderungen, sich auf Distanz zu begeben, missachtet. Zudem wurde von umliegenden Dienststellen Verstärkungen entsandt. "Letztlich mussten 30 Polizeibeamte im Schlosspark für Ruhe sorgen", heißt es im Polizeibericht. Die Bilanz: Von 17 Personen wurden Personalien aufgenommen. Gegen den 24-Jährigen und den 22-Jährigen wurden mehrere Verfahren eingeleitet - unter anderem wegen tätlichen Angriffs und Bedrohung von Polizeibeamten, versuchter Gefangenenbefreiung und Körperverletzung.

24-Jähriger provozierte Polizisten

Der 24-Jährige hatte die Polizei zuvor provoziert. Gegen 20.45 Uhr soll er im Bereich des Schlossparks mit einer "offensichtlichen Spielzeugpistole" auf Beamte gezielt und mehrfach abgedrückt haben. Nach Polizeiangaben äußerte er dabei Sätze wie "Ich knall' dich ab!" und "Ich mach dich fertig".

Einsatzleiter: "Absolutes Tabu"

Polizeioberrat Wilfried Reinke, Leiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Harburg, zeigte sich erschrocken über das Ausmaß der Gewalt, dass den Beamten entgegenschlug. Reinke sprach in diesem Zusammenhang von einer "konkreten und anlasslosen Bedrohung" der Beamten. Explizit kritisierte der Einsatzleiter das Verhalten einiger Festbesucher. "Dass Unbeteiligte im Anschluss polizeiliche Maßnahmen zu verhindern suchen, ist aus meiner Sicht ein absolutes Tabu, dem wir mit aller Entschlossenheit entgegenwirken müssen", sagte Reinke.

Pistorius verurteilt Angriffe

Nach Angaben des Innenministeriums ist es am Himmelfahrtstag an mehreren Orten zu ähnlichen Vorkommnissen gekommen. 13 Beamte wurden demnach leicht verletzt, zwei sind zunächst nicht dienstfähig. Neben Winsen kam es unter anderem in Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) und in Hannover zu Einsätzen, bei denen Polizisten angegangen wurden. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) verurteilte die Angriffe auf Polizisten. "Wer schwer alkoholisiert meint, Rettungskräfte und Beamtinnen und Beamte der Polizei und Feuerwehr beleidigen und sogar angreifen zu müssen, wird dafür angemessen bestraft werden", sagte Pistorius.

Ähnlicher Fall in Hannover

Erst im April waren im Hauptbahnhof Hannover vier Bundespolizisten verletzt worden, als sie einen Streit schlichten wollten. Einer der Beamten wurde dabei aus einer nach Angaben der Bundespolizei "gaffenden und pöbelnden Menschenansammlung" von rund 50 Personen heraus angegriffen. Innenminister Pistorius hatte das Anfeuern der aggressiven Angreifer durch die Menge danach als "unerträglich" kritisiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 11.05.2018 | 13:00 Uhr

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