Stand: 06.07.2020 17:53 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Pastor missbrauchte jahrelang junge Frauen

Vertreter der Landeskirche informierten am Montag über die Missbrauchsfälle.

Ein Pastor in Niedersachsen soll in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren mehrere junge Frauen sexuell missbraucht haben. Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat am Montag unter anderem über einen Fall schweren sexuellen Missbrauchs im Kirchenkreis Hittfeld informiert. Betroffen ist die heutige Gemeinde Rosengarten im Landkreis Harburg. Ein bereits 2013 verstorbener Pastor, damals in der Jugendarbeit tätig, verging sich demnach von 1988 bis 1997 in der damaligen Kreuzkirchengemeinde Nenndorf an einer jungen Frau. Die Betroffene, damals Konfirmandin, hat am Montag anonym via Internet von den Übergriffen berichtet. "Ich bin mir heute sicher, dass er von Anfang an geplant hat, sexuelle Übergriffe an Mädchen zu begehen", sagte sie. Sie wolle darauf aufmerksam machen, dass es Missbrauch von Schutzbefohlenen gegeben habe. Und: Sie sei nicht das einzige Opfer gewesen.

Sexueller Missbrauch: Ex-Konfirmandin berichtet

Hallo Niedersachsen -

Anfang der 1990er-Jahre wurde eine damalige Konfirmandin von einem Pastor im heutigen Rosengarten sexuell missbraucht und geschwängert. In der evangelischen Kirche ist dies kein Einzelfall.

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EKD zahlt hohes Schmerzensgeld

"Bei mir hat das zu sehr schweren Traumatisierungen geführt", berichtete die Frau aus der Gemeinde in Nenndorf am Montag. Sie hat inzwischen 35.000 Euro Schmerzensgeld erhalten. Das sei die höchste Summe, die die Landeskirche bisher bei Missbrauchsfällen gezahlt habe, sagte ein Sprecher der EKD. Für die Betroffene ist der Weg der Aufarbeitung in der Kirche nach eigenen Angaben "eher steinig" gewesen. Sie habe allerdings seit zwei Jahren positive Erfahrungen mit der Landeskirche gemacht, berichtete sie.

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Präventionsstelle für sexualisierte Gewalt

Die Landeskirche Hannover bietet Betroffenen, die Missbrauch im kirchlichen Umfeld erfahren haben, Unterstützung an. mehr

Mindestens eine weitere Betroffene in Wolfsburg

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Die Aufarbeitung des Missbrauchs sei "eher steinig" gewesen, berichtet die ehemalige Konfirmandin.

Oberlandeskirchenrat Rainer Meinusch, Leiter der Rechtsabteilung des Landeskirchenamtes Hannover, bestätigte, dass es mindestens eine weitere betroffene Frau gibt. Auch sie stehe bereits mit der Kirche in Kontakt. In einer Kirchengemeinde in Wolfsburg-Wittingen soll der Pastor die junge Frau sexuell missbraucht haben. Zudem hätten sich seit Bekanntwerden der Pressekonferenz zwei weitere Betroffene gemeldet, die von dem Pastor zumindest belästigt wurden, so Meinusch. Weitere Fälle soll außerdem in Wolfsburg-Detmerode gegeben haben. Auch dort soll es mindestens um sexuelle Belästigung gehen.

Pastor arbeitete 15 Jahre in Wolfsburg

Der Pastor war von September 1971 bis Oktober 1972 als Pastor in der Wolfsburger St. Marien-Kirchengemeinde, der heutigen Nordstadtgemeinde, tätig. Das schreibt der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen auf seiner Internetseite. Danach war er bis März 1986 Pastor der Stephanusgemeinde in Wolfsburg-Detmerode. Später sei er Kreisjugendpastor und Religionslehrer in Wolfsburg gewesen.

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Studien sollen Missbrauch aufarbeiten

"Wir haben insgesamt 123 Fälle sexualisierter Gewalt seit 1945", sagte Meinusch. Davon seien die weitaus meisten - mehr als 80 Prozent - Fälle in Einrichtungen der Diakonie. Vor einem Jahr hatte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine zentrale Anlaufstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs eingerichtet. Ab Oktober will die EKD in mehreren Studien sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufarbeiten. Die 20 Landeskirchen haben der Beauftragung eines unabhängigen Forschungsverbundes erst kürzlich zugestimmt.

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Hallo Niedersachsen | 06.07.2020 | 19:30 Uhr

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