Soldaten der Bundeswehr bei einer Übung in Munster. © Picture Alliance Foto: Philipp Schulze

Exzesse in Litauen: Soldaten aus Munster unter Verdacht

Stand: 16.06.2021 20:41 Uhr

Es geht um rassistische Beleidigung, Gewalt und sexuelle Nötigung: Einem Panzergrenadierzug aus Munster wird schweres Fehlverhalten in Litauen vorgeworfen. Die Soldaten werden abgezogen.

Zehn Soldaten des Standorts im Heidekreis sollen an den Exzessen beteiligt gewesen sein. Die vier Hauptbeschuldigten wurden nach Informationen des NDR Niedersachsen schon nach Deutschland zurückbeordert. Bei ihnen werde eine fristlose Entlassung nach dem Soldatengesetz geprüft, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Als erstes hatte der "Spiegel" über den Fall berichtet. Dem Bericht zufolge sollen auf einer Party in einem Hotel, die als Erholungsmaßnahme deklariert war, nach übermäßigem Alkoholkonsum rechtsradikale Lieder gesungen worden sein. Zudem soll es zu Schlägereien gekommen sein. Ein Soldat soll versucht haben, einem schlafenden Kameraden seinen Penis in den Mund zu stecken, was mit einem Handy gefilmt worden sein soll. Am 20. April haben Soldaten demnach ein "Geburtstagsständchen" für Adolf Hitler angestimmt.

Ermittler untersuchen auch Vorwurf wegen fehlender Munition

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) reagierte entsetzt. "Das Fehlverhalten einiger Soldaten in Litauen ist ein Schlag ins Gesicht aller, die Tag für Tag in der Bundeswehr der Sicherheit in unserem Land dienen", schrieb sie auf Twitter. "Die Entgleisungen beschädigen das Ansehen der Bundeswehr und Deutschlands. Das wird mit aller Härte bestraft werden." Im Zuge der Untersuchung, in die auch der Militärische Abschirmdienst involviert ist, gibt es weitere Verdachtsmomente, darunter ein Fehlbestand von 569 Schuss Handwaffenmunition. Das Einsatzführungskommando hat ein Ermittlerteam entsandt. "Die werden jeden Stein umdrehen", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres sei ebenfalls nach Litauen gereist.

Bundeswehr musste Desinformationsversuche abwehren

Etwa 600 deutsche Soldaten sind derzeit in Litauen bei dem Nato-Einsatz "Enhanced Forward Presence" stationiert, der der Abschreckung Russlands dient. Das Verteidigungsministerium ist nun höchst alarmiert, weil die Bundeswehr in Litauen mehrfach Desinformationsversuche abwehren musste, die den Eindruck von Fehlverhalten deutscher Soldaten erwecken sollten. "Gerade in Litauen, wo wir Seite an Seite mit unseren Nato-Partnern geschlossen für gemeinsame Werte einstehen, ist ein solches Verhalten Einzelner nicht nur unentschuldbar, es ist auch absolut beschämend für uns alle", sagte die Sprecherin.

Bundesregierung: Mit äußerster Entschiedenheit aufklären

Ein solches Verhalten sei vollkommen inakzeptabel, sowohl bei der Polizei, bei Bund und Ländern als auch bei der Bundeswehr, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. "In all diesen Fällen ist es richtig, mit äußerster Entschiedenheit aufzuklären und auch Konsequenzen zu ziehen, denn wer für diesen Staat Verantwortung trägt, an welcher Stelle auch immer, kann und darf sich mit solchen Dingen nie gemein machen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.06.2021 | 06:00 Uhr

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