Stand: 19.11.2017 12:17 Uhr

Dritte Chance für Elb-Link-Fähre?

von Christina Gerlach

Elb-Link will wieder durchstarten, nachdem der Betreiber der Elbfähren seit Sommer 2015 bereits zwei Mal gescheitert ist. Spätestens ab kommenden Frühjahr soll wieder eine Fähre zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel unterwegs sein. Nun hofft das Unternehmen auf einen Überbrückungskredit von 200.000 Euro, den die beiden Städte und die Landkreise Cuxhaven und Dithmarschen locker machen sollen. "Kein Geschenk", versichert der aktuelle Geschäftsführer Bernd Bässmann, "wir brauchen das Geld nur, um den Winter zu überbrücken." Bässmann sieht schon den Silberstreif am Horizont, der maritime Experte Jürgen Grzeskowiak dagegen eher dunkle Wolken.

Durch einen Zaun sieht man den Schriftzug "elb-link". © NDR

Elb-Link will dritten Anlauf

Hallo Niedersachsen -

Die Fährverbindung Elb-Link soll wiederbelebt werden, nachdem sie nun schon zwei Mal brachgelegen hat. Eine Garantie für den Erfolg gibt es nicht, da sind sich alle einig.

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Experte bleibt skeptisch

Grzeskowiak warnt, Elb-Link einen Überbrückungskredit zu gewähren. "Das ist zwar bitter, aber es wäre verpulvertes Geld", sagt Fachmann aus Cuxhaven. Die Strickmütze tief ins Gesicht gezogen und mit hochgeschlagenem Mantelkragen steht er vor dem Zaun des verwaisten, zugigen Elb-Link-Anlegers am Cuxhavener Steubenhöft. Den hat das Land Niedersachen mit zwei Millionen Euro Steuergeld finanziert. Im Büro des Sachverständigen für Schiffsbetriebstechnik und Binnenschifffahrt bekommt man neben heißem Kaffee und Keksen auch einen Beleg für jede seiner Aussagen: umfangreiche Gutachten, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, minutiöse Aufzeichnungen, viele Seiten lang. Kein Zweifel, der Mann hat sich intensiv und über Jahre mit Elbfähren beschäftigt. Aber davon wollte offenbar niemand etwas wissen. Weder damals, noch heute.

Fährschiffe zu groß?

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Jürgen Grzeskowiak glaubt nicht an einen Erfolg von Elb-Link.

Grzeskowiak hat von Anfang an gewarnt, dass die Elb-Link-Reederei auf die falschen Fährschiffe setzt. "Zu groß, überdimensioniert, deshalb eigentlich nie ausgelastet - das kann sich nicht rechnen." Er sollte Recht behalten. Die Reederei versuchte vergeblich, die Kosten zu senken, wollte die beiden Seeschiffe umdeklarieren zu Binnenschiffen, weil dann nur halb so viele Besatzungsmitglieder vorgeschrieben sind. Doch dafür hätten die Fähren erst aufwendig umgebaut werden müssen. Hinzu kamen unvorhergesehene Kosten. Die estnischen Kapitäne hatten nur geringe Deutschkenntnisse, Deutsch ist aber die Reviersprache auf der Elbe. Also mussten die Elb-Link-Fähren für jede Fahrt Lotsen an Bord nehmen. Nach Berechnungen von Jürgen Grzeskowiak hat allein die regelmäßige Lotsenbegleitung jährlich eine knappe Million Euro gekostet.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Keine zwei Jahre, dann kam die Insolvenz. Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt jetzt sogar gegen den damaligen Elb-Link-Geschäftsführer, Christian Schulz, wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Dieses Jahr im Mai dann der zweite Versuch, ein Neustart mit nur einem Fährschiff statt mit zwei. "Im Sommer hatten wir eine sehr gute Auslastung", versichert der gegenwärtige Elb-Link-Chef Bässmann, "wir mussten sogar mal Autos am Anleger stehen lassen." Trotzdem war im Oktober dann doch schon wieder Schluss. "Wegen der hohen Charterraten", erklärt Bässmann empört. Drei Millionen Euro pro Jahr hätten die Eigner nach seinen Angaben nun von der Elb-Link-Reederei sehen wollen.

Besitzverhältnisse nebulös

Die Schiffe gehören offenbar einer Holding mit Sitz auf Malta. "Nebulöse Besitzverhältnisse", räumt selbst Bässmann ein. Jürgen Grzeskowiak glaubt, dass nicht nur die hohe Charter eine Rolle gespielt hat. "Mit nur einem Schiff musste man schneller fahren als im Pendelverkehr mit zweien, sonst werden den Passagieren die Wartezeiten an den Anlegern zu lang." Man habe also den Fahrthebel entsprechend herunter gedrückt, sagt er. "Aber nur zwei Knoten mehr Geschwindigkeit verbrauchen gleich stolze 42 Prozent mehr Treibstoff - das frisst den Spareffekt locker wieder auf."

Angebot ausgeschlagen

Jürgen Grzeskowiak hatte seine Mitarbeit schon sehr früh während der Planungsphase für die Fährverbindung zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein angeboten. Aber überall ist er damals abgeblitzt: bei Politikern, in Ministerien, bei Wirtschaftsförderern. Hinter vorgehaltener Hand wird hässlich von angeblichem Eigennutz geraunt. Weil Grzeskowiak sein eigenes Konzept erarbeitet hat, für zwei kleinere Fähren. Das stimmt. Die Schiffe müssten allerdings erst noch gebaut werden. Doch eine Werft hat er schon gefunden. Ein möglicher Investor steht anscheinend auch bereit. Grzeskowiak erläutert seinen Vorschlag mit großer Leidenschaft, betont aber gleichzeitig, dass er seinen Expertenrat, seine Erfahrungen und seine Expertise für eine Fährverbindung über die Elbe stets kostenlos angeboten habe und dies auch weiterhin gelte. Elb-Link-Geschäftsführer Bässmann macht nicht den Eindruck, dass er darauf zurückgreifen möchte.

Neues Fährschiff mit neuen Investoren

Er habe mittlerweile ein neues Fährschiff in Aussicht, sagt er, kaum kleiner als die alten. Kosten: Rund sieben Millionen Euro. Investoren soll auch es geben. Grzeskowiaks Warnung, das sich auch das nicht rechnen wird, wischt er beiseite. Die 200.000 Euro braucht Bässmann für eine "Schlummerphase", wie er sagt. Zur Überbrückung der anfallenden Kosten, bis im Frühjahr die neue Fährverbindung startet. Allerdings räumt er selbst ein: "Eine Garantie hat man nie."

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Oberbürgermeister skeptisch

Genau das treibt auch Cuxhavens parteilosen Oberbürgermeister Ulrich Getsch um. Ein großgewachsener Norddeutscher mit blitzblauen Augen und tiefer Stimme. Ein kühler Pragmatiker, der selbst im rauem Nordsee-Wind keinen Schal trägt. "Wer sagt mir denn, dass sich Elb-Link nach der Schlummerphase in einen wachen Seemann verwandelt?", fragt er. Zumal es schwierig werden könnte, die EU zu überzeugen, dass 200.000 Euro an öffentlichen Geldern keine unerlaubte Beihilfe sind. Der Rat der Stadt Cuxhaven hat seine Entscheidung vertagt. Der Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein hat schon abgewunken.

Zuversicht und Skepsis

Elb-Link-Geschäftsführer Bässmann ist dennoch zuversichtlich, Jürgen Grzeskowiak bleibt dagegen skeptisch. Er empfindet keine Genugtuung, dass seine pessimistischen Vorhersagen eingetroffen sind. Im Gegenteil: "Ich weiß, wie wichtig die Fährlinie für die Region ist und ich hätte es gern gesehen, dass sich die Verbindung durchsetzt, leider hat es sich anders gezeigt."

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Hallo Niedersachsen | 19.11.2017 | 19:30 Uhr

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