Stand: 11.12.2019 06:00 Uhr

60.000 Euro aus Polizei-Tresor gestohlen

von Angelika Henkel & Stefan Schölermann
Mehrere Bündel von Euro-Geldnoten liegen auf einem Tisch. © picture alliance Foto: Ulrich Baumgarten
Bei der Polizei in Lüneburg sind rund 60.000 Euro aus einem Asservatenraum gestohlen worden. (Themenbild)

Sie sollen Verbrechen aufklären, Straftäter ermitteln und Gefahren abwehren: Polizisten haben einen verantwortungsvollen Beruf. Doch gelegentlich wird die Dienststelle selbst zum Tatort. Nachdem in den vergangenen Monaten Nachrichten über verschwundene Dienstwaffen bei der Polizei Schlagzeilen gemacht hatten, wollte der NDR vom niedersächsischen Innenministerium wissen, ob in den vergangenen drei Jahren auch weniger gefährliche, aber dafür wertvolle Gegenstände oder Bargeld in den Polizeidienststellen zwischen Cuxhaven und Göttingen abhandengekommen sind. Die Antworten liegen jetzt vor und sie zeigen, dass gelegentlich auch Beamte und Bedienstete in den Revieren und Kommissariaten den Verlockungen des Geldes erliegen.

Geld stammte aus Terrorismus-Verfahren

Der wohl spektakulärste Fall ereignete sich im August 2018 bei der Polizei in Lüneburg. Dort wurden rund 60.000 Euro in bar entwendet - und zwar aus dem besonders gesicherten Asservatenraum. Es ist ein Raum, zu dem nur autorisierte Personen Zutritt haben. Was die Sache besonders pikant macht: Der größte Teil des Geldes war zuvor im Rahmen eines Terrorismus-Verfahrens beschlagnahmt worden. Und zwar nach NDR Informationen während einer Hausdurchsuchung bei Beschuldigten, die damals im Verdacht standen, die islamistische "Al-Nusra Front" in Syrien zu unterstützen. Die Ermittler waren mit Spezialeinsatzkräften bei den Männern angerückt. Sie nahmen nicht nur die Verdächtigen mit, sondern auch Bargeld in Höhe von 51.650 Euro. Das Geld hatten die Beamten in einem Kleiderschrank entdeckt. Von dort wanderten die Scheine in den Stahlschrank der vermeintlich sicheren Asservatenkammer der Polizei Lüneburg.

Einbruch nur vorgetäuscht

Aufgefallen war der Diebstahl erst ein Jahr später. Im August 2018 gab es eines Abends eine Alarmauslösung: Einbruchsversuch am Kellerfenster der Dienststelle. Doch der vermeintliche Einbruch entpuppte sich als nur vorgetäuscht. Bei der Tatortaufnahme in dem besonders gesicherten Asservatenraum wurde jedoch festgestellt, dass jemand in diesem Raum ein Behältnis aufgebrochen hatte. Jemand, der offenbar genau wusste, was zu diesem Zeitpunkt dort zu finden war: Bargeld in fünfstelliger Höhe. Ermittelt wird von der Staatsanwaltschaft seitdem gegen einen 41 Jahre alten Beamten aus Lüneburg. Gegen ihn wurde ein Amtsführungsverbot verhängt. Es war schon das zweite Mal, dass in Lüneburg Geld abhandengekommen ist: 2017 verschwanden 2.500 Euro aus dem Tresor des Einsatz- und Streifendienstes. Ein Tatverdächtiger wurde in diesem Fall bislang nicht ermittelt.

Göttingen: 2.500 Euro aus Tresor geklaut

Andere Fälle sind weniger spektakulär: Sie machen aber deutlich, dass Vermögensdelikte gelegentlich auch in Polizeidienststellen vorkommen - also dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Bei der Polizei in Göttingen zum Beispiel verschwanden im Juni 2018 ebenfalls 2.500 Euro. Das Geld war fünf Tage vor dem Diebstahl in einen Tresor gelegt worden. Die Ermittlungen blieben ohne Ergebnis, der Briefumschlag tauchte nicht wieder auf.

Hannover: Strafverfahren gegen Angestellte

Mehr Erfolg hatten die Ermittler in Hannover: Dort verschwanden zwischen August 2018 und April 2019 aus einem Stahlschrank der Polizeiinspektion Hannover-Ost knapp 3.300 Euro. Der genaue Tatzeitpunkt ist offenbar noch unklar, nicht jedoch die mutmaßliche Täterin: Gegen eine Angestellte wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Außerdem wurde eine sogenannte Verdachtskündigung ausgesprochen.

Braunschweig: Gestohlene Fahrräder verschwinden

Es muss allerdings nicht immer Bargeld sein: In Braunschweig wurden im Juli dieses Jahres wertvolle Fahrräder und Fahrradteile mit einem Gesamtwert von rund 5.000 Euro entwendet. Betroffen war ausgerechnet die "Ermittlungsgruppe Zweiradkriminalität", die einen Asservatenkeller für die sichergestellten Drahtesel hat. Die Zweiräder wurden also ein zweites Mal gestohlen. Begünstigt wurde die Tat offenbar durch Bauarbeiten in der Polizeiinspektion. In deren Verlauf habe auch eine größere Anzahl von Mitarbeitern der beauftragten Firmen Zugang zum Fahrradasservatenkeller gehabt, teilte das Innenministerium mit. Ein Täter konnte bislang nicht ermittelt werden.

Innenministerium geht von Einzelfällen aus

Die Aufzählung dieser Schadensereignisse mag unerfreulich sein, Niedersachsens Innenministerium sieht aber keinen aktuellen Handlungsbedarf. Auf Nachfrage heißt es, der Umgang mit Verwahrstücken sei angemessen und strikt geregelt. Diese Vorschriften, also auch die möglichen Folgen bei Verstößen, seien allen Polizeibediensteten in Niedersachsen bekannt. In manchen Fällen habe man die Sicherheitsmaßnahmen nachträglich "optimiert". Eine allen Vorfällen gemeinsame Fehlerquelle sei aber nicht erkennbar. Aus Sicht des Ministeriums handelt es sich also um Einzelfälle.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.12.2019 | 08:00 Uhr

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