Stand: 02.09.2018 18:45 Uhr

400 Menschen demonstrieren gegen Rheinmetall

In Unterlüß im Landkreis Celle haben am Sonntag im Rahmen eines Antikriegs-Camps rund 400 Menschen gegen den Waffenproduzenten Rheinmetall demonstriert. Aufgerufen dazu hatten unter anderem Gewerkschaften, antifaschistische Gruppen und der niedersächsische Flüchtlingsrat. In einer gemeinsamen Rede forderten die DGB-Kreisvorsitzenden aus Celle und dem Heidekreis einen Wandel von einer militärischen zu einer sozialen, ökologischen Wirtschaftsstruktur. Rheimmetall betreibt in Unterlüß ein Testgelände.

Große militärische Konzentration in der Heide

Die Aktivisten werfen dem Rüstungsunternehmen unter anderem vor, über Tochterfirmen Kriegsgerät auch in Länder zu exportieren, die eigentlich vom Exportstopp der Bundesregierung betroffen sind - beispielsweise in den Jemen. Rheinmetall entgegnete auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen schriftlich, das Unternehmen halte sich bei Exporten an den gesetzlichen Rahmen. In der Lüneburger Heide befinde sich mit dem Heeresstandort Munster, dem Truppenübungsplatz Bergen und Waffenproduzent Rheinmetall die größte militärische Konzentration der Bundesrepublik, beklagten die DGB-Vertreter. Sie plädierten dafür, den Übungsplatz in Bergen in ein UN-Biosphärengebiet umzuwandeln.

Protestcamp seit Mittwoch

Unter dem Motto "Rheinmetall entwaffnen" hatte bereits am Dienstag ein Antikriegs-Camp in Unterlüß begonnen. Anlass war der Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939. Bereits am Sonnabend war an fast 20 Orten in Niedersachsen und Bremen an dieses Datum erinnert worden.

Streit um Zelten auf dem Dorfplatz

Im Vorfeld hatte es juristische Streitigkeiten um das Camp gegeben, das die Rheinmetall-Gegner auf dem Dorfplatz aufgeschlagen haben. Dort sollten auch Zelte zum Übernachten aufgebaut werden. Das hatte der Landkreis Celle jedoch aus formalen Gründen abgelehnt, berichtet die "taz". Zelten sei "nicht wesensimmanent zur demokratischen Meinungsbildung", so der Landkreis. Man könne stattdessen in den umliegenden Pensionen übernachten. Am Dienstag dann doch die Wende: Das Zelten ist erlaubt, entschied das Verwaltungsgericht Lüneburg, so die "Allgemeine Zeitung" aus Uelzen.

Rheinmetall: Rüstungskonzern mit Milliardenumsatz

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf. Das Unternehmen erwirtschaftet mit seinen zwei Sparten - neben Rüstungsgeschäften ist es auch Automobilzulieferer - einen Milliardenumsatz. Im Geschäftsjahr 2017 lag er bei knapp sechs Milliarden Euro. Rheinmetall produziert unter anderem den Schützenpanzer Marder 1A3/1A5 sowie Glattrohrkanonen für den Leopard-2-Panzer. In Unterlüß (Landkreis Celle) betreibt der Konzern nach eigenen Angaben das größte Test- und Versuchsgebiet in Europa mit einer Fläche von 50 Quadratkilometern. Umstritten waren in der Vergangenenheit unter anderem Rüstungsexporte des Unternehmens nach Indosien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.09.2018 | 15:00 Uhr

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