Stand: 22.08.2017 18:48 Uhr

Zoo wirft PETA "Lügen und Falschaussagen" vor

Der Zoo Hannover hat erleichtert auf die Einstellung des Verfahrens nach den Tierquälerei-Vorwürfen reagiert. "Der Vorwurf ist unbegründet und falsch", sagte Geschäftsführer Andreas Casdorff. In keiner der Untersuchungen durch die Veterinärbehörde, den Zoo selbst, die Tierärztliche Hochschule Hannover und andere Gutachter sei eine "durch die Haltung verursachte Verletzung, Verstörung oder ein Vermeidungsverhalten gegenüber den Pflegern" festgestellt worden, sagte Casdorff. PETA habe sich in seinem Vorwürfen "Lügen und Falschaussagen" bedient. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte dem Zoo am Dienstagmorgen mitgeteilt, dass das Verfahren eingestellt sei. Es gebe keinen hinreichenden Tatverdacht für strafbare Handlungen, teilte die Behörde mit.

Ein Elefantenbaby steht im Zoo Hannover in einem Gehege. © NDR

Verfahren gegen Zoo Hannover eingestellt

Niedersachsen 18.00 Uhr -

Im Zoo Hannover sind laut Staatsanwaltschaft keine Elefanten misshandelt worden. Die Zoo-Leitung kritisiert nun die Tierrechtsorganisation PETA und wirft ihr Manipulation vor.

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Keine erheblichen Leiden oder Schmerzen

Die Tierrechtsorganisation PETA hatte die Zoo-Verantwortlichen bereits im Frühjahr angezeigt. Gleichzeitig hatte sie Videos von 2016 veröffentlicht, die Misshandlungen durch den Einsatz von sogenannten Elefantenhaken dokumentieren sollten. Laut Staatsanwaltschaft haben nun Stellungnahmen der zuständigen Veterinärbehörden sowie Sachverständigen-Gutachten ergeben, dass die Tiere durch die Haken zwar Schmerzen empfunden haben könnten. Ihnen seien jedoch weder "erhebliche Leiden noch erhebliche Schmerzen" zugefügt worden.

Vorwürfe an PETA

Geschäftsführer Casdorff sagte, dass die Vorwürfe den Zoo "schwer getroffen" hätten. Man habe die Anschuldigungen ernst genommen und das Elefanten-Management geprüft sowie Akten auf Vorfälle in der Vergangenheit hin überprüft. Außerdem griff Casdorff PETA scharf an. Die Tierrechtler hätten insgesamt zwei Wochen gedreht und die Aufnahmen zunächst auf fünf Stunden geschnitten. Dieses Videomaterial mit sei erst im Sommer dieses Jahres an die Staatsanwaltschaft und später den Zoo gegangen. Aus den fünf Stunden seien 14 Minuten für das Fernsehen zusammengestellt worden, um die Kernbotschaft zu transportieren, dass Elefantenbabys gequält werden.

PETA: Entscheidung ist "unbegreiflich"

Dennoch wolle der Zoo keine juristischen Schritte gegen die Tierrechtsorganisation unternehmen. Das würde PETA nur mediale Aufmerksamkeit bescheren, so Casdorff. Unterdessen teilte die Organisation mit, dass sie Beschwerde gegen die Einstellung eingelegt habe. Dass der Einsatz des Hakens und die Übungen "legal und strafrechtlich nicht relevant sein" sollen, sei "unbegreiflich".

Elefantenhaken nicht grundsätzlich verboten

In Hannover werden die Elefanten im sogenannten direkten Kontakt gehalten. Das heißt, dass die Pfleger das Gehege betreten. Bei dieser Haltungsform sei der Einsatz des Elefantenhakens nicht verboten, so die Staatsanwaltschaft. Er diene sowohl dem Schutz des Pflegepersonals als auch den Tieren selbst. Nur durch die Dressur sei es möglich, dass die Tiere regelmäßig notwendige Sohlen- und Nagelpflege zulassen. Die Dressur auch sei Beschäftigung für die Tiere, so Zoo-Geschäftsführer Casdorff. Dabei werde der "Haken als verlängerter Arm eingesetzt, um die Tiere zu führen." In Zukunft jedoch sollen nur noch tierpflegerische oder tiermedizinische Übungen durchgeführt werden. Außerdem solle die Haltung nach einem ohnehin geplanten Umbauten am Gehege auf indirekten Kontakt umgestellt werden, bei dem Tiere und Pfleger durch ein Gitter getrennt sind.

Augenzeugin schildert Gewalt gegen Elefanten

Erst Anfang des Monats hatte PETA weitere Vorwürfe gegen den Zoo wegen mutmaßlicher Misshandlungen von Elefanten erhoben. Grundlage dafür waren die Schilderungen einer Augenzeugin. Nach Angaben von PETA hatte sie beobachtet, wie ein Tierpfleger einem der Elefanten "einen Elefantenhaken mit Gewalt in die Haut gerammt hat". Außerdem habe sie berichtet, dass die Elefanten entspannt wirkten, bis die Tierpfleger das Gehege betraten. Den Tieren sei der plötzlich ansteigende Stress anzumerken gewesen. Der Zoo Hannover hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.08.2017 | 12:00 Uhr