Stand: 23.03.2017 11:17 Uhr

Wer ist schuld an der Geflügelpest-Ausbreitung?

Wer ist schuld an der Übertragung der Geflügelpest im Landkreis Cloppenburg? Darüber ist dort ein Streit ausgebrochen. Die Streithähne: Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne), der Landkreis mit Kreisrat Neidhard Varnhorn und Kreislandwirt Hubertus Berger. Zunächst hatten Erkenntnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts darauf hingewiesen, dass das Virus H5N8 von Menschen, Fahrzeugen und Geräten von Stall zu Stall übertragen werde, teilte der Minister mit. Das sieht der Landkreis anders. Dort hält man die Aussagen für "einseitig und zu kurz gegriffen". Erst am Mittwoch hatte der Landkreis einen weiteren Fall von Geflügelpest in einem Putenmastbetrieb bestätigt - 14.600 Tiere sollen dort getötet werden.

Eine Niedersachsenkarte zeigt die Regionen mit den gerößten Geflügelproduzenten. © NDR

Die größten Geflügelregionen in Niedersachsen

Die Karte zeigt die Regionen in Niedersachsen, in denen die größten Geflügelproduzenten arbeiten. Die Landkreise Emsland, Vechta und Cloppenburg sind Schwerpunkte.

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Keine gesicherte Erkenntnis über Verbreitung?

Die Annahme, dass der Mensch die Geflügelpest übertrage, widerspreche seinen Erfahrungen, sagte Kreisrat Neidhard Varnhorn. Eine gesicherte Erkenntnis über die Verbreitung des Virus gebe es nicht. Allerdings wolle sich auch der Landkreis Cloppenburg um eine Verbesserung der Bio-Sicherheit kümmern, so Varnhorn. Die Kritik aus Cloppenburg am Minister endet damit nicht. Denn: Meyer habe zudem Anfang März beim Ausbruch der Geflügelpest im ersten Betrieb nicht richtig reagiert, heißt es von Kreislandwirt Hubertus Berges. Der Minister habe damals entschieden, dass zwar die Tiere im betroffenen Betrieb getötet werden sollen. Allerdings nicht die in zwei Kontaktbetrieben, mit denen reger Verkehr von Mensch und Maschinen herrsche. Das hätten die Experten aus dem Landkreis aber empfohlen.

Kreislandwirt: Verhalten von Meyer ein "Skandal"

Da dort der Erreger nicht nachgewiesen werden konnte, entschied sich Landwirtschaftsminister Meyer gegen die Keulung. "Es gab bei uns schon Diskussionen", sagt ein Ministeriumssprecher. Für den Kreislandwirt Berges ein "Skandal". Da, wo es Meyer passe, höre er auf Experten. Da, wo es ihm nicht passe, entscheide er im Alleingang, so Berges. Aus dem Ministerium heißt es: Man bemühe sich, vorsorgliches Töten im Gegensatz zu den Vorjahren deutlich zu beschränken. Dennoch sei das nicht immer möglich. Am Ende mussten die Puten doch gekeult werden, weil schließlich auch hier die Geflügelpest ausbrach.

Gravierende Hygiene-Verstöße

Das FLI und andere Experten hatten auf Bitten des Landwirtschaftsministeriums unter anderem die Virusstämme genetisch untersucht. Demnach hatte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit das Virus von Stall zu Stall verbreitet. Woher das erste Virus in Garrel stammt, sei weiterhin unklar. Das Ministerium bezweifelt aber, dass infizierte Wildvögel die Ursache für die meisten Ausbrüche waren. Die FLI-Experten sahen teilweise gravierende Verstöße etwa beim Transport und der Lagerung von toten Tieren, dem Austausch von Geräten zwischen Betrieben. Auch seien Hygieneschleusen nicht konsequent genutzt worden.

400.000 Tiere wurden bereits vorzeitig getötet

Daher drohte Meyer Tierhaltern mit Kürzungen der von der Tierseuchenkasse gezahlten Entschädigung oder Schadenersatzforderungen, wenn gravierende Mängel bei den Biosicherheitsmaßnahmen festgestellt werden. Denn während in den meisten Regionen Deutschlands die Geflügelpest auf dem Rückzug ist, waren vor allem im Kreis Cloppenburg immer wieder Neuausbrüche zu beklagen. In dem Landkreis werden 13,2 Millionen Stück Geflügel gehalten. Rund 400.000 Tiere wurden wegen der Geflügelpest bislang in den vergangenen Monaten getötet.

Insgesamt Rückgang von Geflügelpest

Mit Sicht auf die Ausmaße der Seuche begrüßte Meyer die vom Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverband beschlossenen verschärften Schutzmaßnahmen. Unter anderem sehen die verschärften Sicherheitsmaßnahmen vor, Einstreumaschinen nur in einem Stall zu verwenden oder Tierbetreuer nur in einem Stall arbeiten zu lassen. Trotz des hohen Aufwandes seien die Maßnahmen absolut notwendig. Die Zahl der positiven Befunde bei Wildvögeln sei erheblich zurückgegangen. Abseits der "geflügeldichten Regionen Niedersachsens" habe es zudem seit Wochen auch in Nutzgeflügelbeständen keine neuen Geflügelpest-Fälle mehr gegeben. "Es wird Zeit, dass die Mitte Februar in vielen Landesteilen Niedersachsens vorgenommene Aufhebung der Stallpflicht für Hobby- und Freilandgeflügel landesweit umgesetzt wird", sagte Meyer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.03.2017 | 15:00 Uhr

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