Stand: 04.10.2019 10:45 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Wenn ich OB werde ... Ruth Esther Gilmore

Die Wahl rückt näher und zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten an: Am 27. Oktober wählt Hannover einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. NDR.de hat allen im Vorfeld der Wahl einen Fragebogen mit sechs Fragen zugeschickt. Lesen Sie hier die Antworten der Kandidatin Ruth Esther Gilmore (parteilos) zu den Themen Zukunft des Ihme-Zentrums, zur umstrittenen Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas und den hohen Feinstaubwerten in der Stadt.

Die Stadt ist mit den letzten Investoren für das marode Ihme-Zentrum regelmäßig auf die Nase gefallen. Was erwarten Sie von dem neuen Investor?

Als Oberbürgermeisterin möchte ich den Investor unterstützen, um aus dem Ihme-Zentrum eine gelungene Kombination aus bezahlbaren Wohnungen, Studentenwohnungen, eine Seniorenresidenz, Start-ups und blühenden Einzelhandel zusammen mit einer sportlichen und kulturellen Begegnungsstätte zu schaffen. Mit Hilfe einer Bürgerbeteiligung können die Bewohner*innen und ihre Kinder ein schlummerndes städtebauliches Juwel mitgestalten und zum Leben erwecken. Die Stadt kann als Ankermieterin dazu beitragen.

Hannover will Kulturhauptstadt werden und nimmt dafür Millionen Euro in die Hand, es gibt aber drängendere Notstände in dieser Stadt. Finden Sie, dass das die richtige Priorität ist?

Die Entscheidung, sich für den Titel Kulturhauptstadt zu bewerben, ist bereits gefallen. Als Oberbürgermeisterin werde ich diese Entscheidung mittragen. Ich möchte, dass wir das noch nicht festgeschriebene Programm gemeinsam ausbauen. Gesellschaftliche, sportliche sowie städtebauliche Kultur gehören zusammen. Schon während unserer Bewerbungsphase starten wir als zukünftige Kulturhauptstadt kulturelle Initiativen und Projekte. Als Ihre Oberbürgermeisterin werde ich eine klimafreundliche Initiative "Ein besonderer Baum für Hannover" starten, bei der jede(r) Bürger*in zu persönlich bedeutsamen Ereignissen wie Geburtstag, Hochzeit, Taufe, Geschäftsjubiläum einen Baum für Hannover stiften kann. Die Bäume werden von der Stadt eingepflanzt und mit einer Plakette versehen.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass jeder Stadtteil einen Bauwagen oder eine Jugendwerkstatt erhält, damit Kinder und Jugendliche handwerkliche Fähigkeiten lernen können und in ihrer Freizeit für die öffentlichen Räume und Spielplätze gemeinsam städtebauliche Elemente bauen oder schnitzen können. Die Kunstobjekte, Spielgeräte und Schutzhütten werden stadtteilübergreifend aufgestellt.

Auch ein dreiwöchiges "Literatur und Poesie Festival Hannover" für Kinder- und Jugendliteratur in Zusammenarbeit mit den Stadtteilbibliotheken möchte ich initiieren. Das wäre ein weiterer kultureller Höhepunkt. Eine Erweiterung des Musikfestivals "Klassik in der Altstadt" zu einer "Klassik in den Stadtteilen" ist mir auch ein wichtiges Anliegen. Die größte Stärke des Musikfestivals ist die sympathische Begegnung zwischen Musiker*innen und den Bürger*innen und ihren Kindern. Freiluftkonzerte und kostenfreie Klassikrundgänge sind an weiteren Wochenenden in den anderen Stadtteilen ebenfalls wünschenswert.

Hannover liegt bei den Feinstaubwerten über dem Limit, bisherige Maßnahmen bringen offenbar keinen Erfolg. Wie sieht Ihre Lösung aus?

Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter oder Tempolimits für ausgewählte Hauptverkehrsstraßen sind allein nicht ausreichend. Bei der Sanierung städtischer Gebäude ist möglichst eine Umstellung auf alternative Energien durchzuführen. Beim Wohnungsbau ist vorrangig der Passivhausstandard zu bevorzugen. Auch die Bürger*innen selber können sich aktiv durch freiwilliges Verhalten für saubere Luft einsetzen, indem sie zum Beispiel unnötige Autofahrten vermeiden und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, Fahrgemeinschaften bilden oder das Fahrrad benutzen. Weiterhin können wir alle durch Energiesparen bei Strom, Heizung und Warmwasser einen erheblichen Beitrag zur Senkung der Feinstaubbelastung leisten.

Bauen ist neben dem Verkehr einer der größten Feinstaubemissionsverursacher. Zudem ist eine Stadtverdichtung wie in Paris der Grund, warum die Lungen unserer Kinder und Jugendlichen belastet werden. Eine klimagerechte Stadtplanung, bei der die Frischluftschneisen, Grünanlagen und die Straßenführung im Einklang mit der Natur und den meteorologischen Gegebenheiten agieren, ist die Lösung gegen die Feinstaubbelastung und die konzentrierte Ansammlung davon.

Viel zu wenig Wohnraum und ständig steigende Mietpreise. Wie wollen Sie diese Probleme ganz konkret lösen?

Zuerst werde ich alle leer stehenden städtischen Gebäude wie zum Beispiel die Feuerwehrwachen in der Südstadt und in der Calenberger Neustadt auf eine Umwandlung in bezahlbaren Wohnraum prüfen lassen. Auch die pädagogische Hochschule in der Südstadt würde sich als studentisches Wohnheim eignen. Hinzu kommt noch der Eco-Stadtteil Kronsrode, in dem mit Nullemissionshäusern ein autarkes Stadtquartier entstehen wird, für dessen klimagerechte Bauweise ich mich bereits in meinem Wahlprogramm (www.gilmore-hannover.de) einsetze.

Die Rathausaffäre hat Hannover bundesweite Negativ-Schlagzeilen gebracht und Vertrauen bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitarbeitenden beschädigt. Welche Strukturen wollen Sie im Rathaus ändern, um so etwas künftig zu verhindern?

Das bereits durch die Öffentlichkeit missbilligte, aber strafgerichtlich noch nicht bewertete Verhalten einzelner Entscheidungsträger und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung von Hannover ist meiner Meinung nach auf die persönliche Handlungsweise der Akteure zurückzuführen und allein von diesen zu verantworten. Unabhängig davon werde ich als Oberbürgermeisterin jeglichen Filz und Vetternwirtschaft in der Verwaltung bekämpfen.

Lange Wartezeiten für Kita-Plätze, bei der Kfz-Anmeldung und bei Bauanträgen: Welche Ideen haben Sie, um hier künftig Abhilfe zu schaffen?

Sowohl eine Digitalisierung als auch eine Einstellung von mehr Personal würden helfen. In allen Bereichen fehlt es an Mitarbeiter*innen, die das Rückgrat der Verwaltung bilden. So ist es für die Verwaltung notwendig, eine externe Dienstleistung zur Digitalisierung der Daten zu beauftragen. Wichtig ist aber für die Bürger*innen zu wissen, dass ihre Daten sicher verwahrt werden und dass kein Missbrauch möglich ist. Firmen, die sich in Hannover ansiedeln, müssen für ihre Mitarbeiter*innen eigene Kitas auf dem Firmengelände einrichten.

Antworten der anderen Kandidaten

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Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen). mehr

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Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Jessica Kaußen (Die Linke). mehr

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Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Bruno Adam Wolf (Piraten). mehr

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Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Iyabo Kaczmarek (parteilos). mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.10.2019 | 08:00 Uhr

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