Wegen Theaterstücks an Schule: Gericht weist Klage von AfD ab

Stand: 06.09.2023 17:17 Uhr

Das Verwaltungsgericht Hannover hat am Mittwoch eine Klage der AfD Niedersachsen abgewiesen. Die Partei war wegen der Schulaufführung von "Danke dafür, AfD" gegen das Kultusministerium vor Gericht gezogen.

von Jan-Christoph Scholz

Das Interesse auf Seiten der AfD war am Mittwoch im Sitzungssaal 1 des Verwaltungsgerichts in Hannover groß. Gleich mehrere Vertreter waren gekommen. Die Partei verklagte das Kultusministerium in Niedersachsen. Der Vorwurf: Ein Theaterstück des elften Jahrgangs der Gesamtschule Schinkel in Osnabrück sei eine unzulässige Parteinahme. Schülerinnen und Schüler setzten sich 2019 in dem Stück "Danke dafür, AfD" kritisch mit Äußerungen der Partei auseinander. Das sei eine Neutralitätsverletzung des Staates, sagte die AfD. Schulen seien kein Raum für politischen Aktivismus. Die Lehrkräfte hätten eingreifen müssen.

Gericht: Theaterstück durch Kunstfreiheit gedeckt

Die Kammer habe hingegen nicht nachvollziehen können, worin die AfD sich angegriffen gefühlt habe. Die Richter hielten fest: Grundsätzlich seien die einzelnen Passagen des Stücks durch die Kunstfreiheit gedeckt. Denn sie würden verschiedene Interpretationen zulassen. Die Lehrkräfte hätten zudem nicht eingreifen müssen, weil die gewählte Darstellungsform - ein interaktives Theater - nicht zum Ziel hatte, politisch ausgewogen zu seien. 

Kultusministerium äußert sich nur an wenigen Stellen

Auf der Anklagebank saß nur eine Vertreterin des Kultusministeriums. Sie äußert sich nur an wenigen Stellen - meist, um Vorwürfe der AfD zurückzuweisen. Die Urteilsverkündung selbst wollte sie nach der Sitzungsunterbrechung nicht abwarten. Ihr reiche eine Mitteilung, erklärte sie. Die Vertreter der AfD hingegen blieben im Gerichtsgebäude. Es wirkte fast so, als sei es ihnen egal, wie das Urteil ausfalle. So fielen beiläufig Aussagen wie: Es gehe hier nur um Ruhm und Ehre oder es sei besser, eine Klage zu platzieren und in die Medien zu kommen, als Geld für Werbung zu bezahlen.

Worum ging es eigentlich?

In dem 45 Minuten langen Stück hatten die rund 15 Schülerinnen und Schüler Politiker-Zitate und Social-Media-Posts mit ihren eigenen Gedanken verknüpft. Etwa die Frauke-Petry-Äußerung zum Schießbefehl gegen "illegale" Flüchtlinge oder die des damaligen AfD-Chefs Alexander Gauland, der den Nationalsozialismus einen "Fliegenschiss" in der deutschen Geschichte nannte. Das Stück führten die Schüler nicht auf einer Bühne auf, sondern interaktiv im Schulgebäude. 70 Zuschauer sahen sich das Theaterstück der Gesamtschule an. Und: Das Stück wurde vom niedersächsischen Kultusministerium beim Schülerfriedenspreis 2019 mit dem Zivilcourage-Preis ausgezeichnet.

AfD äußerte mehrfach Kritik an Schulen in Niedersachsen

Bereits in der Vergangenheit hat die AfD Kritik an den Schulen und Universitäten in Niedersachsen geäußert. 2018 wollte die Partei ein Online-"Meldeportal" einrichten, über das vermeintlich parteikritische Lehrkräfte denunziert werden sollten. Im Wahlprogramm zur Landtagswahl 2022 heißt es zudem: Schulen seien "zu einem Experimentierfeld linker Ideologen und praxisferner Theoretiker geworden".

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 06.09.2023 | 19:30 Uhr

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