Viele Gesundheitsämter nutzten Corona-Kontaktlisten selten

Stand: 17.06.2021 14:55 Uhr

Die Corona-Kontaktlisten in Gastronomie oder bei Friseuren werden von den Gesundheitsämtern in Niedersachsen nur selten angefordert. Das ergab eine Abfrage des NDR in Landkreisen und Städten.

Demnach wurden entsprechende Listen im zurückliegenden Jahr von den meisten Gesundheitsämtern jeweils nur etwa zehnmal angefordert. So zum Beispiel im Landkreis Lüchow-Dannenberg, in Braunschweig und im Landkreis Cuxhaven. Der Heidekreis und die Landkreise Friesland und Ammerland sprechen von vereinzelten oder äußerst seltenen Abfragen. Der Landkreis Osterholz hat Kontakte von Infizierten über entsprechende Listen bisher überhaupt noch gar nicht abgefragt. Die Kontaktlisten gelten seit Monaten als das Mittel, das den Gesundheitsämtern helfen soll, im Falle einer Corona-Infektion die Kontakte des Infizierten schneller zu ermitteln. Auch die Corona-Verordnung sieht die Nutzung der Listen, etwa beim Friseur, in Fahrschulen und in der Gastronomie vor.

Osnabrück: Direkte Angaben der Infizierten sind wichtiger

Die Gründe für die Zurückhaltung der Kommunen sind unterschiedlich: Der Landkreis Osnabrück verwies gegenüber dem NDR in Niedersachsen darauf, dass die Menschen meist im privaten Umfeld infiziert hätten. Deshalb seien nicht die Listen, sondern die direkten Angaben der Infizierten am wichtigsten.

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Unleserliche Listen, unklare Angaben

Ähnlich argumentiert der Landkreis Hameln-Pyrmont: Die Abfragen seien herausfordernd, da es sich zumeist um völlig fremde Personen handele, die den Kontakt zueinander nicht genau beschreiben können. Die Stadt Braunschweig verwies dagegen auf praktische Probleme: Die Listen würden zum Teil unsauber geführt und seien unleserlich, so ein Sprecher.

1.000 Abrufe im Landkreis Hildesheim

Besonders häufig hat der Landkreis Hildesheim die Kontaktlisten abgerufen. Rund 1.000 Mal sei dies in der Pandemie erfolgt. Der Landkreis verwies darauf, dass die Angaben essentiell seien - sie würden die Arbeit erheblich erleichtern. Die Region Hannover konnte dagegen keine Zahlen liefern. Ein Sprecher sagte lediglich, dass es häufiger vorgekommen sei, dass derartige Listen angefordert wurden. 

Luca-App bislang kaum genutzt

Seit einiger Zeit steht vielen Landkreisen und Städten als Mittel zur Kontaktnachverfolgung auch die digitale Luca-App zur Verfügung. Allerdings: Dieser Weg wurde laut NDR Recherchen bislang nahezu gar nicht genutzt. Die Kommunen sind offenbar noch unsicher, wie gut sie die digitalen Daten nutzen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 17.06.2021 | 15:00 Uhr

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