Stand: 08.03.2018 18:13 Uhr

Tote Patienten: Hilfspfleger war auch in Hannover

Ein Pflegehelfer soll nahe München einen 87-jährigen Patienten mit Insulin getötet haben - und möglicherweise noch weitere in anderen Teilen Deutschlands, darunter in Hannover. Der Fall weckt Erinnerungen an den früheren Pfleger Niels H., der für den Tod zahlreicher Patienten in Delmenhorst und Oldenburg verantwortlich ist. 106 Opfer sollen es sein - ob die genaue Zahl überhaupt geklärt werden kann, ist unklar. Und der neue Fall zeigt auch, dass die Behörden seit Niels H. für derartige Taten sensibilisiert sind. Denn Hinweise auf weitere verdächtige Todesfälle haben sich sehr schnell ergeben.

26 Hinweise nach öffentlichem Aufruf

Am Dienstag hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft in München an die Öffentlichkeit gewandt: Sie wollten wissen, wo der 36-jährige Pflegehelfer noch gearbeitet hat und ob es mehr mutmaßliche Opfer gibt. Bis Mittwoch gingen bei der Münchener Polizei 26 Hinweise ein.

Neben dem Fall in München prüften die Ermittler in vier weiteren Fällen, ob dem Mann versuchter Mord vorgeworfen werden kann, hieß es am Dienstag. Es gehe um Patienten in Bayern, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Am Donnerstag nannten die Ermittler weitere vier Fälle, "in denen das Ableben einer betreuten Person in einem unmittelbaren zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit dem Aufenthalt des Tatverdächtigen stand": zwei in Bayern, einer in Baden-Württemberg und einer in Hannover.

Kaum Details - Ermittlungen noch am Anfang

Im Juli 2017 soll sich der verdächtige Todesfall in Hannover ereignet haben. Weitere Informationen hierzu gibt es noch nicht. Die Ermittlungen würden ebenfalls in München geführt, sagte Thorsten Schiewe, Polizeisprecher in Hannover, zu NDR.de. In der bayerischen Landeshauptstadt hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag darauf hingewiesen, dass noch intensive Ermittlungen notwendig seien. Am Donnerstag warnten die Beamten vor einer Vorverurteilung und betonten, dass sie erst am Anfang stünden.

BR
Ein Pfleger füttert eine alte Frau. © picture-alliance / dpa Foto: Patrick Pleul

Habgier als Tatmotiv - Pfleger unter Mordverdacht

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen einen Pfleger wegen Mordverdachts sind bis Mittwoch 26 Hinweise bei der Münchener Polizei eingegangen. Der Bayerische Rundfunk berichtet. extern

Extrem niedrige Blutzuckerwerte bei Patienten

Der 36-Jährige aus Polen arbeitete nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR) seit 2008 als ungelernte Pflegekraft. Seit 2012 hielt er sich offenbar durchgehend in Deutschland auf, unter anderem im Landkreis Verden. Bislang konnten etwa 20 Personen von der Polizei ermittelt werden, die von ihm betreut wurden. Vier dieser Patienten mussten in teilweise lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei allen wurde ein nicht erklärbarer, teils extrem niedriger Blutzuckerwert festgestellt, heißt es im BR-Bericht. Der Pflegehelfer sitzt in Untersuchungshaft.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.03.2018 | 17:00 Uhr

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