Stand: 18.02.2020 06:30 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Schuldbekenntnis: Wie ein Bischof um Vergebung bat

Norbert Trelle, seinerzeit Bischof in Hildesheim, bat am 18. Februar 2015 um Vergebung für Fehler der Kirche. (Archivbild)

"Heute sehen wir, dass wir nicht den Weg der Liebe gegangen sind." Fünf Jahre ist es her, dass der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle mit einem historischen Schuldbekenntnis für Aufsehen sorgte. Am 18. Februar 2015, beim Auftakt der Jubiläums-Feierlichkeiten zum 1.200-jährigen Bestehen des Bistums Hildesheim, sagte er: "In diesem Jubiläumsjahr haben wir Grund zu feiern (...). Und wir haben Grund, uns die Sünden unserer Geschichte bewusst zu machen." Zwei Laien und zwei Weihbischöfe benannten insgesamt vier Epochen - von den Kreuzzügen im Mittelalter bis zu den Missbrauchsskandalen. Nach jeder Epoche sprach Bischof Trelle das Bekenntnis und endete mit den Worten: "Jetzt stehen wir vor dir, barmherziger Gott, in anderer Zeit. Wir stehen vor dir und den Menschen, bedrückt mit alter Schuld. Wir bitten um Vergebung."

Die Zeit des Mittelalters: Kreuzzüge

Elisabeth Eicke, Vorsitzende des Diözesanrats, erinnerte an die Zeit des Mittelalters: "Zu den Kreuzzügen hat auch einer der Hildesheimer Bischöfe aufgerufen. Der Einsatz von Gewalt wurde in jener Zeit im Namen Gottes gerechtfertigt. Es war eine Zeit, in der Verantwortungsträger in unserer Kirche der Macht verfallen waren und diese Macht gegen andere Landesherren auch mit militärischer Gewalt durchgesetzt haben."

Die frühe Neuzeit: Hexenverbrennung

Thomas Harling, Leiter des Projektbüros Bistumsjubiläum, sprach über die frühe Neuzeit: "Menschen wurden zu Hexen und Gebrandmarkten erklärt, sie wurden verfolgt, gefoltert und ermordet. In jener Zeit hat die Kirche Glaubensspaltung und Krieg in Kauf genommen. In unserem Bistum hat der 30-jährige Krieg großes Unheil angerichtet und Spaltungen verursacht, die über Jahrhunderte Bestand hatten."

Versagen der Kirche in der NS-Zeit

Zur Schuld der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus sagte Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger: "Auch Priester in unserem Bistum haben sich in Predigten mitreißen lassen von der verblendeten Begeisterung für den Ersten Weltkrieg. Voller Reue sehen wir auf das Versagen der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Allzu ängstlich und zögerlich sind Bischöfe und Priester, Christinnen und Christen der Barbarei entgegengetreten. Nicht entschieden genug haben wir an der Seite unserer jüdischen Schwestern und Brüder und aller Verfolgten gestanden. Diese Unterlassungen wiegen umso schwerer, weil viele unserer Schwestern und Brüder unter Einsatz ihres Lebens Widerstand geleistet haben."

Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche

Als viertes Thema sprach Weihbischof Heinz-Günter Bongartz die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche an: "Voller Scham erkennen wir, dass Priester und kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kindern und Jugendlichen in unseren Einrichtungen und Gemeinden Gewalt angetan haben. Zu lange wurden die Augen verschlossen vor dem sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener und der Gewalt in der Erziehung. Auch im Bistum Hildesheim wurden Opfer zu lange allein gelassen."

Bischof Wilmer: Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche

Noch weiter als Trelle ging im Jahr 2018 dessen Nachfolger Heiner Wilmer, der aktuelle Bischof von Hildesheim. Er stellte in bis dahin selten gehörter Offenheit fest: "Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche." Und Wilmer ergänzte, es gebe in der katholischen Kirche "Strukturen des Bösen".

Dossier

Bischof erinnert an Fehler aus 1.200 Jahren

Der Hildesheimer Bischof Trelle hat am Aschermittwoch um Vergebung für Sünden aus 1.200 Jahren Bistumsgeschichte gebeten. Es ging dabei auch um den Missbrauch durch Priester. (18.02.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 18.02.2015 | 19:30 Uhr

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