Stand: 26.03.2019 11:12 Uhr

Pflicht zur Masern-Impfung? Niedersachsen uneins

Die von der Großen Koalition in Berlin ins Gespräch gebrachte Masern-Impfpflicht wird in Niedersachsen kontrovers diskutiert. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte angekündigt, mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) darüber zu beraten. Grund sind die vielen Fälle von Maserninfektionen in Deutschland, unter anderem an Schulen in Hildesheim und Hannover. Masernerkrankungen sind extrem ansteckend und können tödlich sein. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) will eine Impfpflicht nur dann diskutieren, wenn sich die Situation langfristig verschlechtern sollte. Grundsätzlich sei es aber nicht hinnehmbar, dass es noch Masernausbrüche in einem medizinisch so gut versorgten Land wie Deutschland gibt.

Eine Hand mit einer Spritze.

Masern: Sollte es eine Impfpflicht geben?

Hallo Niedersachsen -

Nach dem Auftreten von Masern-Fällen hat eine Hildesheimer Gesamtschule 80 Schüler ohne Impfschutz vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen. Wäre eine Impfpflicht der richtige Weg?

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Ärztekammer lehnt Impfpflicht ab

Die Ärztekammer Niedersachsen lehnt eine Impfpflicht gegen Masern ab. Sie sei nicht die erste Wahl, um das Problem steigender Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, sagte ein Sprecher gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Die aktuelle Diskussion werde populistisch geführt, beklagt er. Dabei sei es juristisch schwierig, einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Kinder gerichtlich durchzusetzen. Die Ärztekammer setzt darauf, Eltern intensiver aufzuklären. Gleichzeitig betonte der Sprecher, dass Kinderärzte bereits alles tun, um Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder impfen zu lassen.

Druck auf Impfgegner erhöhen?

Beim Verband der Hausärzte in Niedersachsen ist man sich bei diesem Thema nicht ganz einig. Der stellvertretende Vorsitzende, Jens Wagenknecht, aus Varel sagte, ungeimpfte Schüler nicht an Klassenfahrten teilnehmen zu lassen, könnte ein geeignetes Mittel sein, den Druck auf Impfgegner zu erhöhen.

Ausbreitungsbarriere in Niedersachsen noch nicht erreicht

In Niedersachsen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) im Jahr 2017 93,3 Prozent der Kinder durchgeimpft gewesen, hatten also auch die zweite und für eine Immunität entscheidende Impfung. Damit ist die Zahl leicht rückläufig, 2014 waren noch 94,2 Prozent durchgeimpft. Von einer sogenannten Ausbreitungsbarriere spricht man laut Landesgesundheitsamt ab einer Quote von 95 Prozent.

Schlusslicht Osnabrück, Spitzenreiter Holzminden

Die Impfquote schwankt in Niedersachsen von Region zu Region. Die meisten Schüler waren 2017 im Landkreis Holzminden zweimal gegen Masern geimpft. Mit 97,5 Prozent fand sich hier der landesweite Spitzenwert. Es folgten der Landkreis Grafschaft Bentheim (97,2 Prozent) und der Landkreis Peine (97,1). Deutlich weniger geimpfte Schulanfänger gab es dagegen im Landkreis Osnabrück (89,8) - der drittschlechteste Wert im Land. Noch weniger geimpft wurde lediglich im Landkreis Lüchow-Dannenberg (87,3) und in der Stadt Osnabrück. Das Schlusslicht weist eine Impfquote von lediglich 85,5 Prozent auf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 26.03.2019 | 08:00 Uhr

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