Stand: 14.07.2017 16:22 Uhr  | Archiv

Neue Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt

Wer Opfer rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt geworden ist, hat in Niedersachsen jetzt einen zentralen Anlaufpunkt. Betroffene können sich seit Anfang Mai an eine neue Beratungsstelle in Hannover wenden. Der Anstieg rechter Gewalt in Niedersachsen habe gezeigt, wie wichtig ein solches Unterstützungsangebot sei, sagte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne). "Ich bin froh, dass wir unserer Pflicht nachkommen, Betroffene von diskriminierenden Straftaten und von Hasskriminalität besser zu unterstützen."

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Neue Rechte auf dem Vormarsch

Panorama 3 -

Am rechten Rand haben sich in den vergangenen Jahren neue Bewegungen formiert. Dazu zählt die "Identitäre Bewegung", die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

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Sozialarbeiter kommen auch nach Hause

Neben einem Büro in Hannover gibt es noch eine weitere Beratungsstelle in Oldenburg. Das Projekt sieht auch Hausbesuche bei Betroffenen vor - das Angebot gilt somit landesweit und ist nicht auf Hannover und Oldenburg beschränkt. Die Beratungsstelle wird jährlich mit 186.000 Euro aus Landesmitteln finanziert, hinzu kommen weitere 64.000 Euro pro Jahr vom Bundesfamilienministerium.

Kontakt zur Beratungsstelle

Die Büros der Beratungsstelle "RespAct - Solidarisch mit Betroffenen rechter Gewalt" in Hannover und Oldenburg sind per E-Mail unter folgenden Adressen zu erreichen:
hannover@respact-nds.de
oldenburg@respact-nds.de

Opfer können Vertrauen in das soziale Umfeld verlieren

"Oftmals reagieren Personen oder Einrichtungen wenig solidarisch, wenn Betroffene rechter Gewalt von Angriffen berichten", sagt Sozialarbeiterin Anika Döhring vom fünfköpfigen Beraterteam. "Dieses Verhalten kann ebenso wie der Angriff selbst sehr belastend sein und es den Betroffenen erschweren, die Opferrolle zu verlassen und Selbstbestimmung wiederzuerlangen. Die Verfestigung von Ängsten, aber auch eine erschwerte Kontrolle von Stress, Ungeduld oder Wut sowie ein hoher Vertrauensverlust in das soziale Umfeld und die gesamte Gesellschaft können einige der schwerwiegenden Folgen sein." Döhring hat bereits mehrere Jahre Erfahrungen in einem vergleichbaren Projekt in Sachsen-Anhalt gesammelt. Ihre Aufgabe sei es, den Betroffenen zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Dafür entwickelt sie auch Pläne zur Wiedererlangung von Sicherheit im Alltag. So könne beispielsweise eine Notfall-Alarmkette unter Nachbarn aufgebaut werden - für den Fall, dass sich etwa erneut eine Gruppe rechter Schläger vor einem Haus aufbaue.

"Vor Gericht glaubt mir eh keiner"

Gerade für Geflüchtete sei es oft schwer, das deutsche Rechtssystem zu verstehen, erklärt Döhring. Viele Betroffene rechter Gewalt seien der Überzeugung, dass Anzeigen nichts bringen: "Da werde ich wieder diskriminiert, vor Gericht glaubt mir eh keiner", heiße es dann. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist es für Döhring daher, Betroffene zur Polizei und zum Gericht zu begleiten. Aufgabe wird es außerdem sein, auf Selbsthilfe-Organisationen und Angebote von Kirchengemeinden und anderen Trägern hinzuweisen. Dazu gibt es in Niedersachsen bereits 50 Kooperationspartner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.04.2017 | 07:00 Uhr

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