NDR Umfrage: Mehr Angst um Wirtschaft als um Gesundheit

Stand: 14.10.2020 18:59 Uhr

Die Mehrzahl der Niedersachsen stimmt den Corona-bedingten Einschränkungen zu. Das und die Sorgen um die Jobs zeigt der NiedersachsenTREND, eine Umfrage im Auftrag des NDR.

Auf die wirtschaftliche Lage in Niedersachsen schauen die Menschen im Land durchaus kritisch. 51 Prozent sieht die derzeitige Lage zwar positiv, 46 Prozent bewerten sie jedoch als weniger gut oder schlecht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR Fernsehmagazins "Hallo Niedersachsen". Zum Vergleich: Unmittelbar vor der Landtagswahl im Herbst 2017 hatten sich noch 80 Prozent positiv zur Wirtschaft in Niedersachsen geäußert.

Einen weiteren Abwärtstrend fürchten zwei Drittel der aktuell Befragten mit Blick auf die kommenden Wochen. 68 Prozent machen sich große bis sehr große Sorgen, dass sich die Lage wegen der Corona-Krise weiter verschlechtert. Hingegen: Eine Ansteckung bei sich oder in der Familie fürchten nur 35 Prozent, bei der Mehrheit von 64 Prozent sind diese Sorgen weniger groß bis klein.

Jeder Vierte wünscht sich stärkere Einschränkungen

65 Prozent der Menschen in Niedersachsen halten die Corona-bedingten Einschränkungen für angemessen. Für jede vierte befragte Person reichen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie sogar nicht weit genug. Für elf Prozent der 1.004 Befragten hingegen gehen sie zu weit.

Ist die Freiheit langfristig eingeschränkt?

Dass die Regeln die Freiheitsrechte längerfristig einschränken könnten, fürchtet die Mehrheit der Befragten mit 68 Prozent nicht. Ihnen stehen 31 Prozent gegenüber, die in den Maßnahmen eine große bis sehr große Gefahr sehen, wenn um die eigene Freiheit geht. Mit Blick auf die Partei-Anhängerschaft zeigt sich laut Umfrage deutlich: In Sorge sind 63 Prozent der AfD-Anhängerinnen und Anhänger. Unter den Anhängern der SPD sind es demnach noch 26 Prozent, bei CDU-Anhängern 23 Prozent.

27 Prozent: Schulschließungen waren zu lang

Mit den Ausbruch der Pandemie im Frühjahr wurden Kitas und Schulen dicht gemacht. Das stellte Eltern, Lehrer und die Kinder vor große Aufgaben. Für 56 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden waren Ausmaß und Dauer aber richtig, jeder Vierte hält sie rückblickend für zu lang.

Mehrheit: Schließung in der Pflege richtig

Viel Kritik und Besorgnis in der Öffentlichkeit hatte es im Frühjahr auch bei den strikten Beschränkungen in Alten- und Pflegeheimen gegeben. Mit Blick zurück sagen immer noch 36 Prozent, dass die Einrichtungen zulange geschlossen waren. 54 Prozent bewerten dieses Vorgehen allerdings als richtig. Elf Prozent hätten sich eine noch längere Schließung gewünscht.

Positives Zeugnis für Landesregierung

Der bisherigen Corona-Politik der rot-schwarzen Landesregierung um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stellen die Niedersachsen ein überwiegend gutes Zeugnis aus: 69 Prozent der Befragten sind mit dem Corona-Krisenmanagement zufrieden oder sehr zufrieden. Am überzeugtesten vom Regierungshandeln sind die Grünen-Anhänger. Unter ihnen sind 85 Prozent mit der Corona-Politik zufrieden, unter SPD-Anhängern sind es 81 Prozent, unter CDU-Anhängern 78 Prozent. Kritischer sind FDP-Anhänger, von denen nur 51 Prozent mit dem Krisenmanagement einverstanden sind. Lediglich unter AfD-Anhängern überwiegt die Kritik: 70 Prozent von ihnen sind weniger oder gar nicht zufrieden mit der Regierungspolitik.

 

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap befragte im Auftrag des NDR vom 6. bis 12. Oktober 2020 insgesamt 1.004 zufällig ausgesuchte, wahlberechtigte Personen in Niedersachsen per Telefon. Die Fehlertoleranz beträgt zwischen 1,4 Prozentpunkten (bei 5 Prozent Anteilswert) und 3,1 Prozentpunkten (bei 50 Prozent Anteilswert).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.10.2020 | 16:00 Uhr

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