Stand: 03.08.2020 14:59 Uhr

Mehr psychische Erkrankungen in der Corona-Krise

Eine junge Frau beim Telefonieren am Arbeitsplatz in einer offenbar Stress auslösenden Situation. © picture-alliance / dpa/dpaweb Foto: Oliver Berg
Laut KKH ist in der Corona-Zeit die Zahl der Krankmeldungen wegen psychischer Leiden um 80 Prozent gestiegen. (Themenbild)

In der Corona-Krise hat die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen deutlich zugenommen. Das geht zumindest aus Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover hervor. Im ersten Halbjahr 2020 gab es demnach rund 26.700 Fälle von Krankmeldungen aufgrund psychischer Leiden - im Vorjahreszeitraum waren es noch rund 14.600. Das ist ein Plus von rund 80 Prozent. "Es ist denkbar, dass viele Menschen aufgrund von Existenzängsten durch Jobverlust und Kurzarbeit, der Furcht vor dem neuen Virus und den damit einhergehenden Lebensveränderungen nicht zurechtkamen und deshalb einen Arzt aufsuchten", teilte die KKH mit. Sie ist nach eigenen Angaben eine der größten gesetzlichen Krankenkassen mit rund 1,7 Millionen Versicherten.

Hilfe für Betroffene

  • Telefonseelsorge: anonyme, kostenlose Beratung rund um die Uhr, Tel. (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222
  • Kinder- und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer": kostenlose Beratung von Mo bis Sa, 14 bis 20 Uhr, Tel. 116 111. Elterntelefon: Mo bis Fr, 9 bis 11 Uhr sowie Di und Do, 17 bis 19 Uhr unter (0800) 111 05 50
  • Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe: Mo, Di und Do, 13 bis 17 Uhr sowie Mi und Fr, 8.30 bis 12.30 Uhr. Tel. (0800) 33 44 533. Die Deutsche Depressionshilfe bietet einen Selbsttest sowie eine Übersicht zu regionalen Angeboten.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst der Krankenkassen: 116 117.
  • Ambulanz der psychiatrischen Abteilung einer Klinik vor Ort - in jedem Fall bei Suizidgedanken.

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Höchster Krankenstand im März

Insgesamt sind während der Corona-Pandemie laut KKH "rekordverdächtig" viele Menschen im Job ausgefallen. Der Krankenstand lag im März bundesweit bei 7,1 Prozent. Im Vorjahresmonat hatte er 5,6 Prozent betragen. Vor allem bei den Frauen registrierte die KKH einen Höchststand, insbesondere in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Spitzenwerten von rund zehn Prozent. Häufigster Grund für Krankschreibungen waren Erkältungen. Husten, Schnupfen und Co. ließen zwei Prozent der KKH-versicherten Arbeitnehmer zu Hause bleiben. Ein Jahr zuvor waren es nur halb so viele gewesen.

Mit den Lockerungen sinkt der Krankenstand

Die Zahlen ließen vermuten, dass in der Pandemie-Hochphase viele Arbeitnehmer bei Corona-ähnlichen Symptomen zu Hause geblieben seien, um andere Menschen nicht zu gefährden, so die Krankenkasse. Mit zunehmender Lockerung der Corona-Regeln sei auch der Krankenstand wieder deutlich gesunken.

DAK: Krankenstand trotz Corona stabil

Zu einer etwas anderen Bewertung kommt die DAK: Trotz Corona sei der Krankenstand im ersten Halbjahr praktisch unverändert geblieben - und das, obwohl es zeitweise sogar möglich war, sich per Telefon krankschreiben zu lassen. Der Krankenstand habe bei 4,2 Prozent und damit auf gleichem Niveau wie in den ersten sechs Monaten 2019 gelegen, teilte die Krankenkasse am Montag mit. Steigerungen bei Fehltagen wegen Erkältungen und psychischer Diagnosen standen demnach Rückgänge bei Verletzungen gegenüber.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.05.2020 | 12:00 Uhr

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