Stand: 20.03.2019 20:11 Uhr

Marktkirche: Vorstand baut Lüpertz-Fenster ein

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Der Künstler und der Kanzler: Markus Lüpertz (l.) mit Freund Gerhard Schröder, der der Kirche das Fenster schenkt. (Montage)

Der Kirchenvorstand der Marktkirche in Hannover hat entschieden: Das von Künstler Markus Lüpertz entworfene Buntglasfenster soll angefertigt und in der Kirche verbaut werden. Das Leitungsgremium beschloss in einer Sondersitzung am Mittwoch, eine Glasfirma in Taunusstein (Hessen) mit der Produktion zu beauftragen. Das Fenster, ein Geschenk an die Kirche von Altkanzler Gerhard Schröder, ist umstritten. Einer der Gegner ist Georg Bissen, Erbe des Architekten Dieter Oesterlen (1911 bis 1994). Dessen Protest zum Trotz will der Vorstand das Geschenk nun annehmen.

Erbe: Fenster passt nicht zur Kirche

Oesterlen hatte die Kirche nach dem Krieg wieder aufgebaut und Bissen findet, das sogenannte Reformationsfenster lasse sich nicht mit dem architektonischen Konzept der Kirche vereinbaren. Ein Mediationsverfahren in dem Streit lehnte der Rechtsanwalt Mitte Januar ab. Mit der Entscheidung, das Fenster einzubauen, nimmt der Kirchenvorstand nun einen möglichen Rechtsstreit mit Bissen in Kauf.

"Entscheidung in Würdigung der öffentlichen Aufmerksamkeit"

"Der Kirchenvorstand trifft diese Entscheidung nach mehrjähriger intensiver Debatte, die für ein Jahrhundert-Projekt wie das 'Reformationsfenster' auch notwendig gewesen ist", sagte Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann. "Wir haben uns eingehend mit den zustimmenden und ablehnenden Positionen beschäftigt und unsere Entscheidung in Würdigung der großen öffentlichen Aufmerksamkeit getroffen."

"Eine Kirche ist kein Museum"

Nach Ansicht des Kirchenvorstands steht es Georg Bissen nicht zu, den Einbau des Fensters zu untersagen. Eine Gemeinde habe das Recht, "über die Gestaltung ihres Kirchenraumes zu entscheiden und ihren Gestaltungswillen durchzusetzen", sagte Reinhard Scheibe, Vorsitzender des Vorstands. "Eine Kirche dient der Religionsausübung und ist kein Museum."

Herstellung dauert mehrere Monate

Bis das "Reformationsfenster" tatsächlich die Marktkirche ziert, wird es allerdings noch dauern. Nach Angaben des evangelisch-lutherischen Sprengels Hannover muss zunächst der Vertrag für die Anfertigung ausgearbeitet werden. Die Herstellung selbst sei aufwendig und werde voraussichtlich mehrere Monate dauern.

Entwurf für den Bau liegt bereit

Der Preis für das Kunstwerk, für Herstellung und Einbau belaufen sich nach Angaben von Scheibe auf 150.000 Euro. Das Geld soll aus Vortragshonoraren von Schröder stammen. Er ist mit dem Künstler Lüpertz befreundet. Das Werk soll nach der Fertigstellung etwa 13 Meter hoch werden und setzt sich mit Leben und Werk des Reformators Martin Luther auseinander. Für Diskussionen in der Gemeinde und in der Öffentlichkeit sorgten dabei vor allem fünf Fliegen als Symbol des Bösen und der Vergänglichkeit.

Weitere Informationen

Baut Kirche "Reformationsfenster" einfach ein?

Das umstrittene Lüpertz-Kirchenfenster könnte bald in der Hannoverschen Marktkirche prangen - gegen den Widerstand des Rechteinhabers. (18.10.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 20.03.2019 | 17:00 Uhr

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