Stand: 01.03.2019 19:55 Uhr

Lügde: Polizei stellt zahlreiche Datenträger sicher

Seit Tagen im Einsatz: die Polizei auf einem Campingplatz in Lügde.

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen haben die Ermittler bei der erneuten Spurensicherung auf einem Campingplatz eine zweistellige Zahl von Gegenständen sichergestellt. Die Ermittler fanden am mutmaßlichen Tatort, der Parzelle des 56-jährigen Hauptverdächtigen, CDs, Disketten, SIM- und SD-Karten sowie Unterlagen. Diese würden nun ausgewertet, teilten die Staatsanwaltschaft Detmold und der Polizei Bielefeld am Freitag mit.

Minderjährige Opfer sollen erneut befragt werden

In der Unterkunft des zweiten von insgesamt drei Beschuldigten wurden den Ermittlern zufolge einige Gegenstände entdeckt. Eine genaue Anzahl wurde nicht genannt. Die mutmaßlichen Tatorte sollten weiter abgesperrt bleiben, weitere Durchsuchungen seien aber derzeit nicht geplant. Die Ermittler wollen allerdings einige der minderjährigen Opfer erneut befragen. "Es sollen damit aufgrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse Verbindungen geklärt und Hinweise erlangt werden", hieß es.

USB-Stick in Sofa entdeckt

Bereits am Mittwoch hatten Ermittler in der Behausung des 56-jährigen Hauptbeschuldigten nach Hinweisen gesucht. Dabei entdeckte der Spürhund nach Angaben des Detmolder Oberstaatsanwalts Ralf Vetter einen in einem Sofa versteckten USB-Stick.

16-jähriger Verdächtiger könnte selbst Opfer sein

Unterdessen teilte Oberstaatsanwalt Vetter dem WDR auch mit, dass ein 16-jähriger Tatverdächtiger möglicherweise selbst Opfer gewesen sein könnte. Bei dem Jugendlichen war zuletzt kinderpornografisches Material gefunden worden, das auf dem Campingplatz in Lügde entstanden war. Der 16-Jährige wurde am Montag vernommen und befindet sich auf freiem Fuß.

Anklage soll vor Mai stehen

In welchem Verhältnis der Junge zu den drei Verdächtigen aus Lügde, Steinheim (NRW) und dem niedersächsischen Stade steht und ob er sich persönlich auf dem Campingplatz aufgehalten hat, ist noch unklar. Der Prozess gegen die drei Männer könnte im Juni beginnen, wie am Freitag bekannt wurde. "Die Anklage soll noch vor Mai stehen", sagte Oberstaatsanwalt Vetter.

Vorwürfe gegen Jugendämter und Polizei

Seit 2008 sind den bisherigen Erkenntnissen zufolge auf dem Campingplatz mindestens 31 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1.000 Fällen Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Neben den mutmaßlichen Tätern besteht bei drei Männern der Verdacht auf Beihilfe und Strafvereitelung. Im Fokus der Fahnder stehen zudem 14 Amtsträger: zwei Polizisten, vier Mitarbeitende von Jugendorganisationen sowie acht Beschäftigte von Jugendämtern, unter anderem aus der Behörde im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.03.2019 | 17:00 Uhr

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