Stand: 08.06.2020 19:38 Uhr

Lügde: Opposition fordert eigenen Sonderausschuss

Über einer Glasscheibe steht die Aufschrift Niedersächsischer Landtag. © NDR Foto: Julius Matuschik
Fraktionen des niedersächsischen Landtags wollen die Aufklärung des Missbrauchsskandals von Lügde mit einem eigenen Sonderausschuss vorantreiben. (Themenbild)

In der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals von Lügde im Landkreis Lippe (Nordrhein-Westfalen) gibt das Jugendamt Hameln-Pyrmont aus der Sicht niedersächsischer Politiker kein gutes Bild ab. Vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags soll geklärt werden, welche Rolle Jugendamtsmitarbeiter gespielt haben. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, dem Haupttäter von Lügde ein Mädchen zur Pflege überlassen zu haben - trotz Hinweisen auf Kindesmissbrauch. Vor dem Untersuchungsauschuss schweigen die Hamelner beharrlich. Nun wollen einige Fraktionen des Niedersächsischen Landtags die Aufarbeitung des Skandals in Hannover vorantreiben - im Zweifel mit einem eigenen Untersuchungsauschuss.

Toepffer unterstützt Oppositions-Vorschlag

Der Vorstoß kommt von den beiden Oppositionsparteien Bündnis 90/Grüne und FDP. Volker Bajus, sozialpolitischer Sprecher der Grünen, sagte gegenüber NDR 1 Niedersachsen, das Schweigen aus Hameln sei für das Land beschämend. Bajus' FDP-Kollegin Sylvia Bruns sagte, die Mitarbeiter des Jugendamts hätten eine moralische Verpflichtung den Opfern gegenüber - auch wenn sich das Schweigen rechtlich im Rahmen bewege. CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer kündigte an, einen Niedersachsen-Ausschuss zu unterstützen. Toepffer kritisiert die Verwaltung des Landkreises Hameln-Pyrmont scharf. Es mache ihn wütend und es sei nicht das erste Mal, dass Behörden mauerten, wenn sie Fehler gemacht hätten.

Ermittlungsverfahren gegen Behördenmitarbeiter eingestellt

Rund zwei Jahrzehnte lang haben Haupttäter Andreas V. und seine Komplizen, darunter ein Mann aus dem Landkreis Stade, mehr als 30 Kinder und Jugendliche auf einem Campingplatz bei Lügde missbraucht und Videos ins Netz gestellt - und das, obwohl es seit spätestens 2002 Hinweise auf Sexualstraftaten gab. Die gingen bei verschiedenen Behörden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen allerdings unter. Im März waren mehrere Ermittlungsverfahren gegen Behördenmitarbeiter, unter anderem in Hameln, eingestellt worden. Im September vergangenen Jahres verurteilte das Landgericht Detmold die Haupttäter Andreas V. und Mario S. für 271 nachgewiesene Taten zu langjährigen Haftstrafen.

Weitere Informationen
In einem Gerichtssaal liegen mehrere Aktenordner übereinander auf einem Tisch. © dpa picture alliance Foto: Bernd Thissen

Lügde-Ausschuss verzweifelt an Hamelner Zeugen

Vor dem Lügde-Ausschuss hat eine Mitarbeiterin des Hamelner Jugendamts nur wenige Fragen beantwortet. Der Ausschuss will den massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz aufklären. mehr

Das Schild "Landkreis Hameln-Pyrmont" ist vor dem Kreishaus als Sitz des Landrates zu sehen. © dpa Foto: Peter Steffen

Lügde-Ausschuss: Weitere Zeugen wollen schweigen

Vor dem Lügde-Ausschuss des Düsseldorfer Landtags wollen weitere Mitarbeiter des Hamelner Jugendamts schweigen. Sie machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. mehr

Der Angeklagte Andreas V. steht im Gerichtssaal und hält sich einen Aktenordner vor das Gesicht, daneben steht der Angeklagte Mario S. © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Thissen

Lügde: Hohe Haftstrafen für "abscheuliche Taten"

Im Fall Lügde sind die beiden Angeklagten Andreas V. und Mario S. zu 13 beziehungsweise 12 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wurde für beide die Sicherungsverwahrung angeordnet. mehr

Neben einem Wohnwagen hinter einer Absperrung steht ein Transporter der Polizei NRW. © dpa - Bildfunk Foto: Guido Kirchner

Lügde: Neue Vorwürfe gegen Hamelner Jugendamt

Im Rahmen des massenhaften Missbrauchs in Lügde kritisiert der Vater eines Opfers das Jugendamt Hameln. Er habe von dem Fall aus den Medien erfahren, auf Nachfragen meldete sich das Amt nicht zurück. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.06.2020 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Zwei Polizisten stehen hinter einer Polizeiabsperrung.

15-Jährigen in Celle getötet: Täter kommt in die Psychiatrie

Der 30-jährige Angeklagte leidet an paranoider Schizophrenie und ist nach Ansicht des Landgerichts Lüneburg gefährlich. mehr

Polizisten am Fundort einer Leiche in Bemerode © NDR

Tötungsdelikt: Familienvater in Hannover-Bemerode erstochen

Angehörige hatten den 48-Jährigen im Haus der Familie aufgefunden. Der Leichnam wurde daraufhin in der MHH obduziert. mehr

Ein Pappaufsteller der Gewerkschaft Verdi mit der Aufschrift "Gebraucht. Geliefert. Gelackmeiert!?" steht auf dem Opernplatz © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Warnstreiks: Tausende Niedersachsen legen Arbeit nieder

Die Gewerkschaft ver.di will einen Tag vor der dritten Tarifrunde im öffentlichen Dienst weiter Druck aufbauen. mehr

Mehrere Menschen tanzen in einer Diskothek. © picture alliance/dpa Foto: Horst Ossinger

Altmaier stellt Diskobetreibern Corona-Hilfen in Aussicht

Der Bundeswirtschaftsminister hat per Video am Branchentag in Osnabrück teilgenommen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen