Stand: 14.02.2019 11:18 Uhr

Lügde: Doch keine Ermittlungen gegen Jugendämter?

Im Fall des mutmaßlichen massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern in Lügde (Nordrhein-Westfalen) gibt es Verwirrung um die Ermittlungen gegen die zwei zuständigen Jugendämter. Die Generalstaatsanwältin sieht offenbar keinen Grund, weiter zu ermitteln. Nach Informationen des WDR heißt es in einem Schreiben an NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vom 5. Februar: "Nach meiner Bewertung rechtfertigt der berichtete Sachstand nicht die Aufnahme des Anfangsverdachts strafrechtlich relevanten Verhaltens gegen Beamte der Kreispolizeibehörde Lippe und Mitarbeiter der Jugendämter der Kreise Hameln und Bad Pyrmont. Ich habe den leitenden Oberstaatsanwalt in Detmold daher um Überprüfung der Einleitung entsprechender Ermittlungsverfahren und zeitnahe Berichterstattung über das Ergebnis gebeten." Unter anderem das Jugendamt in Hameln-Pyrmont war in den Fokus der Ermittler geraten, weil eines der Opfer aus Hameln in die Obhut des 56-jährigen Hauptverdächtigen gegeben wurde.

Landrat: Jugendamt hatte sieben Monate geprüft

Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) hatte vergangene Woche gesagt, dass das Jugendamt des Kreises der Pflegschaft auf Bitten der in Hameln lebenden Mutter zugestimmt hatte. Bevor das Mädchen zu dem Mann gezogen sei, habe das Amt über einen Zeitraum von sieben Monaten geprüft, ob es einem Pflegeverhältnis zustimmt. Die Situation sei laut Jugendamt "grenzwertig", aber "in Ordnung" und "stabilisierbar" gewesen, sagte der Landrat.

Drei Männer tatverdächtig

Nach derzeitigen Stand gehen die Behörden von mindestens 31 Kindern aus, die auf einem Campingplatz missbraucht wurden. Tatverdächtig sind ein 48-Jähriger aus Stade, der die die Taten gesteuert haben soll, und zwei weitere Männer aus NRW. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft schwerer sexueller Missbrauch von Kindern sowie die Produktion von Kinderpornografie vorgeworfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 14.02.2019 | 08:30 Uhr

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