Stand: 09.07.2019 20:49 Uhr

Lügde: Angeklagter wirft Mutter Erpressung vor

Der im Lügde-Prozess angeklagte Andreas V. hat nun Vorwürfe gegen die Mutter eines seiner mutmaßlichen Opfer erhoben. (Archivbild)

Der Hauptangeklagte im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde, nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen, hat einer Mutter eines mutmaßlichen Opfers Erpressung vorgeworfen. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Sein Mandant habe aus der Haft heraus Anzeige gegen die Frau gestellt, sagte Johannes Salmen, der Verteidiger von Andreas V. Über ihren Anwalt, Roman von Alvensleben, wies die Mutter die Anschuldigungen zurück. "Meine Mandantin nennt diesen Erpressungsvorwurf eine Lüge", sagte von Alvensleben. Der WDR und die "Lippische Landeszeitung" hatten zuerst über die Vorwürfe berichtet.

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Behörden bestätigen eingegangene Anzeige

Dass eine Strafanzeige eines Angeklagten im Missbrauchsfall Lügde vorliegt, bestätigten am Dienstag die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold. Auch sagten sie, dass Ermittlungen wegen Erpressung aufgenommen worden seien. Wegen der laufenden Ermittlungen wollten sich die Behörden nicht weiter zu Details und Hintergründen äußern.

Andreas V.: Es ging erst um 500, dann um 2.000 Euro

Der Anwalt des Hauptangeklagten stellte den Fall aus Sicht seines Mandanten dar: Nach dem Missbrauch ihrer Tochter habe die Mutter Andreas V. im vergangenen Sommer um 500 Euro erpresst. Das Geld habe Andreas V. gezahlt. Danach habe die Mutter 2.000 Euro gefordert. Diese Summe habe der 56-Jährige auftreiben müssen und dafür Zeit gebraucht. Der Mutter habe dies jedoch zu lange gedauert und sie sei Ende Oktober vergangenen Jahres zur Polizei gegangen. Warum der Angeklagte erst jetzt Anzeige erstattet habe, könne er nicht sagen, so der Verteidiger.

Anwalt: Es geht nicht um Glaubwürdigkeit

Die Erpressung habe für den laufenden Prozess keine Bedeutung, sagte der Anwalt. Vor dem Landgericht Detmold hatte die Mutter in dem Verfahren bereits als Zeugin ausgesagt. Es gehe daher nicht um die Frage der Glaubwürdigkeit, so Salmen. Denn auch ihre Tochter habe seinen Mandanten bereits belastet. Seit Ende Juni steht Andreas V. zusammen mit seinem mutmaßlichen Komplizen Mario S. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in Detmold vor Gericht. Ihnen werden mehr als 450 Taten vorgeworfen, die sie zwischen 1998 und 2018 begangenen haben sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.07.2019 | 19:00 Uhr

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