Stand: 16.08.2019 16:18 Uhr

Lügde: 14 Jahre Haft für Andreas V. gefordert

Die Staatsanwältinnen Helena Werpup (re.) und Jacqueline Kleine-Flaßbeck plädieren für langjährige Haftstrafen und Sicherungsverwahrung für Andreas V. und Mario S.

Im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) an der Landesgrenze zu Niedersachsen hat die Staatsanwaltschaft für beide Angeklagten langjährige Haftstrafen sowie anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Andreas V. soll nach Auffassung der Anklage für 14 Jahre ins Gefängnis, Mario S. für zwölfeinhalb Jahre. Die Geständnisse der beiden Männer seien strafmildernd berücksichtigt worden, sagten die Staatsanwältinnen Helena Werpup und Jacqueline Kleine-Flaßbeck. Zudem seien die Angeklagten nicht vorbestraft.

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Niedersachsen 18.00

Plädoyers im Lügde-Prozess

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Eine Psychiaterin hat dem Angeklagten Mario S. im Prozess um Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde eine pädophile Störung bescheinigt. Am Freitag beginnen die Plädoyers. Video (01:23 min)

Fünf Nebenkläger schließen sich Forderungen an

Die Plädoyers im Landgericht Detmold werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten, um die Opfer zu schützen. Einem Gerichtssprecher zufolge schlossen sich fünf Nebenkläger den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Drei Nebenkläger forderten auch für den zweiten Angeklagten eine Haftstrafe von 14 oder 14,5 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung. Nebenkläger-Anwalt Roman von Alvensleben erklärte zum Plädoyer der Staatsanwaltschaft: "Wenn das Gericht in diese Richtung geht, dann ist das ein deutliches Zeichen gegen Missbrauch, gegen jegliche Art von Beeinträchtigung von Kinderrechten." Der Verteidiger von Andreas V., Johannes Salmen, sagte zu den Forderungen der Anklage: "Wenn ich Staatsanwalt in diesem Verfahren gewesen wäre, hätte ich das auch beantragt." Andreas V. werde viel Zeit haben, über sich und seine Taten nachzudenken. Was für ein Mensch sein Mandant sei, wisse er nicht.

Andreas V. und Mario S. laut Gutachterin voll schuldfähig

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Andreas V. wurde am Freitag wegen einer Erkrankung im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben.

Eine Gutachterin hatte den Angeklagten Andreas V. zuvor als voll schuldfähig bezeichnet. Der 56-Jährige habe eine durchschnittliche Intelligenz mit einem IQ von 110, keine Psychosen, keine depressiven Erkrankungen oder krankhaft seelische Störungen, sagte die Psychiaterin am Freitag. Sie sprach sich zudem für eine Sicherungsverwahrung aus, da der Angeklagte eine tief verwurzelte Neigung habe, diese Art von Straftaten zu begehen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass er auch nach Verbüßung einer Haftstrafe erneut sexuellen Missbrauch an Kindern begehen werde.

Nach Einschätzung der Psychiaterin hat Andreas V. eine pädophile Neigung mit einer Präferenz für Mädchen im Grundschulalter bis in die Pubertät. Er sei nicht in der Lage, eine Beziehung zu einer gleichaltrigen Partnerin einzugehen und scheine die Mädchen als Ersatz gewählt zu haben. Am Donnerstag hatte die Gutachterin bereits dem zweiten Angeklagten Mario S. volle Schuldfähigkeit und eine pädophile Störung attestiert. Wegen hoher Rückfallgefahr empfahl sie auch für den 34-Jährigen eine Sicherungsverwahrung.

Der Opferanwalt Roman von Alvensleben im Interview © NDR

Opferanwalt: "Gutachterin hat sich positioniert"

Im Missbrauchsprozess im Fall Lügde hat der Anwalt eines Opfers die Aussagen der Gutachterin begrüßt. Sie hatte sich für eine Sicherungsverwahrung der Angeklagten ausgesprochen.

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Urteil Anfang September erwartet

Die Anklage geht davon aus, dass die beiden Angeklagten über Jahre hinweg Kinder teils schwer sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Einige der Gewalttaten sollen sie gefilmt haben. Die Parzelle von Andreas V. auf dem Campingplatz in Lügde war dabei einer der Tatorte. Als Lockvogel soll die Pflegetochter von V. gedient haben. Mit ihr habe der 56-Jährige den Kontakt zu anderen Kindern aufgebaut.

Am 30. August sollen die Verteidiger und weitere Nebenkläger vor dem Landgericht Detmold ihr Plädoyer halten. Das Urteil soll am 5. September verkündet werden.

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Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen Mitarbeiter des Jugendamts in Hameln. Obwohl es bereits 2016 Hinweise auf die pädophilen Neigungen von Andreas V. gegeben haben soll, wurde der Hauptangeklagte als Pflegevater für ein damals fünfjähriges Mädchen eingesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 16.08.2019 | 15:30 Uhr

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