Landtag: Abschuss von Wölfen soll einfacher werden

Stand: 18.02.2021 17:41 Uhr

Am Donnerstag hat das Thema Wolf erneut für Diskussionen im Niedersächsischen Landtag gesorgt. Niedersachsen will das Tier ins Jagdrecht aufnehmen.

Der Landtag hat einem Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen von SPD und CDU zugestimmt. Aus der Fraktion der Grünen gab es Gegenstimmen. Ziel ist ein Wolfsmanagement nach französischem Modell. Dies würde den Abschuss von Wölfen deutlich vereinfachen. Doch auch unabhängig vom Jagdrecht in Niedersachsen wäre der Wolf vorerst weiterhin nach EU- und Bundesrecht umfassend geschützt. Laut dem Entschließungsantrag soll die Landesregierung im Bund darauf hinwirken, dass eine Untergrenze für den Erhalt der Wölfe definiert wird.

Vorbild: Frankreich

Ein Tier des Herzlaker Rudels ist erst kürzlich nach einer Ausnahmegenehmigung getötet worden. Seit September 2018 soll das Rudel etwa 500 Nutztiere gerissen haben. Einzelne Entnahmen von Tieren, die Probleme verursachen, würden in Zukunft nicht mehr reichen, sagte SPD-Umweltminister Olaf Lies. Der Abgeordnete Frank Schmädecke (CDU) erklärte: "Wir wollen nicht warten, bis die Wölfe zu Mitbewohnenden unserer Siedlungen werden. Es liegt in unserer Verantwortung gegenüber Menschen und Wölfen für ein vernünftiges Miteinander zu sorgen." Vorbild für das Management soll Frankreich sein. Dort gibt es eine Untergrenze von landesweit 500 Wölfen. Allein in Niedersachsen sind derzeit etwa 350 Wölfe dokumentiert. Nach Ansicht des FDP-Abgeordneten Hermann Grupe sind das zu viele: "300 ist die absolute Obergrenze."

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Grüne kritisieren Lies scharf

Gegenwind kam von den Grünen: "Warum gibt es eigentlich keinen Kompromiss zwischen den Umweltverbänden und dem Wolf, wie beim Niedersächsischen Weg?", fragte Christian Meyer. Seit eineinhalb Jahren habe der Arbeitskreis Wolf, in dem Landwirte und Umweltverbände vertreten seien, nicht mehr getagt. "Einen Ausgleich der Interessen haben Sie nicht gesucht", sagte Meyer in Richtung Lies. Die Grünen unterstützen einen Ausbau des Herdenschutzes wie zum Beispiel durch Zäune. Dem setzte Umweltminister Lies entgegen: "Wer fordert, dass wir Rinder einzäunen, der fordert, dass wir in Regionen wie dem Nordwesten hunderte von Millionen in Zäune investieren und jede Form der Offenlandhaltung unmöglich machen."

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Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 18.02.2021 | 18:00 Uhr

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