Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen stehen mit einem Schild mit der Aufschrift "Nein zum Merkel Faschismus" auf dem Opernplatz in der Innenstadt. © dpa Foto:  Hauke-Christian Dittrich

Kritik an "Querdenken"-Bewegung reißt nicht ab

Stand: 24.11.2020 15:11 Uhr

Der Antisemitismus-Beauftragte des Bundes, Felix Klein, hat Äußerungen von "Querdenken"-Anhängern, die sich mit NS-Opfern verglichen, scharf kritisiert.

Der Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, Felix Klein, spricht bei einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Michael Kappeler
"Der Holocaust ist kein Abziehbild für jedwede Opfergefühle", sagt der Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung Felix Klein.

Solche Vergleiche "verhöhnen die tatsächlichen Opfer", sagte Klein am Dienstag. "Der Holocaust ist kein Abziehbild für jedwede Opfergefühle." Zudem relativierten sie den nationalsozialistischen Völkermord, sagte er dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Die Fälle zeigten, wie wichtig Bildung sei. "Wer über Anne Frank und Sophie Scholl gut Bescheid weiß, wird kaum solch krude Verharmlosungen äußern." Auslöser seiner Kritik waren Äußerungen von "Querdenken"-Demonstrantinnen, die Auswirkungen der Anti-Corona-Regeln mit den Schicksalen von Anne Frank und Sophie Scholl in Beziehung gesetzt hatten.

Pistorius: "schamlose Selbstbezogenheit"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) nannte die Äußerungen einzelner Demonstrationsteilnehmer "zum Teil beschämend". In einem Gespräch mit der Rheinischen Post sagte er: "Zum Vergleich: Sophie Scholl verteilte 1943, zwischen SS- und Gestapo-Terror, in einer skrupellos mordenden und folternden Diktatur Flugblätter" und wurde "von gleichgeschalteten Nazi-Gerichten zum Tode verurteilt und nach nur vier Stunden per Guillotine geköpft". Die Corona-Gegner kämpften hingegen dafür, "beim Samstagseinkauf keine Maske tragen zu müssen" und hätten höchstens einen Twitter-Shitstorm zu fürchten. Der Vergleich zu Opfern des Nationalsozialismus zeuge von "schamloser Selbstbezogenheit".

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Am Sonnabend hatte eine 22-Jährige, die sich als "Jana aus Kassel" vorstellte, auf einer "Querdenken"-Bühne in Hannover gesagt: "Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde." Eine Woche zuvor hatte sich eine Elfjährige in Karlsruhe mit Anne Frank verglichen, da sie ihren Geburtstag wegen der Corona-Vorschriften nicht wie gewohnt feiern könne. Anne Frank war 1945 mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen gestorben.

 

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Hallo Niedersachsen | 21.11.2020 | 19:30 Uhr

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