Kaum Zwischenfälle bei Demo von "Initiative Querdenken"

Stand: 22.11.2020 11:08 Uhr

In Hannover haben am Sonnabend 650 Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen auf dem Opernplatz demonstriert. Organisiert wurde der Protest von der "Initiative Querdenken".

Es sei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen, sagte ein Sprecher der Polizei Hannover nach der Protestaktion. Die Beamten hätten die vorgeschriebene Maskenpflicht und auch Abstände unter den Teilnehmern immer wieder kontrolliert. Verstöße im "niedrigen zweistelligen Bereich" seien festgestellt und noch vor Ort geahndet worden. Viele Betroffene hätten aber ein Attest vorzeigen können, so der Sprecher weiter. In einem Fall seien Ermittlungen wegen einer mutmaßlichen Fälschung eingeleitet worden. Wie eine Polizeisprecherin am Sonntag mitteilte, sind nur wenige der Teilnehmenden ausgeschlossen worden, weil sie sich nicht an die Hygieneauflagen gehalten haben. Insgesamt seien von 32 Menschen aufgrund von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten die Daten aufgenommen worden. Insgesamt zeigte sich die Polizei mit dem Verlauf der Veranstaltungen auf beiden Seiten grundsätzlich zufrieden.

Pyrotechnik am Rande

Auf dem Opernplatz hatten Redner mehrfach die Gefahr durch des Corona-Virus angezweifelt. Außerdem bezeichneten sie die staatlichen Anti-Pandemie-Regeln als übertrieben. Es kam lediglich zu kleineren Zwischenfällen: Eine Person schaffte es, die Polizeikette zu überwinden und in Richtung der "Querdenken"-Demo vorzudringen. "Die Einsatzkräfte konnten die Person aber zurückhalten", sagte ein Sprecher NDR.de. Außerdem sei am Rande der "Querdenken"-Demo Pyrotechnik gezündet worden. Drei oder vier Nebeltöpfe mit farbigem Qualm hätten gebrannt. "Wir gehen davon aus, dass die 'Querdenken'-Demo dadurch gestört werden sollte", so der Sprecher weiter. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurden gegen drei Verdächtige aus dem "linken Spektrum" Verfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Ein weiteres Strafverfahren wurde gegen einen Teilnehmer der "Querdenken"-Demo eingeleitet. Er trug laut Polizei ein selbstgemaltes Schild, das unter anderem SS-Runen zeigte. Die Polizei ermittelt wegen des Zeigens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Polizei drängt Gegendemonstranten zurück

Insgesamt blieb es ruhiger als zuvor angenommen. Die Polizei hatte im Vorfeld mit bis zu 900 Teilnehmern gerechnet. Auch zu einer Gegendemonstration fanden sich deutlich weniger als die angekündigten 600 Menschen zusammen. Am Nachmittag waren etwa 330 Teilnehmer vor Ort, sagte ein Polizeisprecher NDR.de - darunter etwa 120 Linksautonome, die zu einem spontanen Protest an die Polizeiabsperrung der "Querdenker"-Demonstration drängten. Die Polizei bugsierte die Gegendemonstranten daraufhin einige Dutzend Meter zurück.

Zuletzt mehrfach Kundgebungen aufgelöst

Bundesweit demonstrieren Menschen bei "Querdenken"-Protesten gegen die Corona-Auflagen - so auch an diesem Wochenende unter anderem in Leipzig, Bochum und Berlin. Bei vergangenen Protesten haben sich auch Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme unter die Demonstranten gemischt. Mehrfach wurden Kundgebungen vorzeitig aufgelöst, weil sich die Teilnehmer nicht an Vorgaben wie Maskenpflicht und Mindestabstand hielten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.11.2020 | 10:00 Uhr

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