Stand: 05.03.2019 15:47 Uhr

Wolfshybriden sind "hanebüchener Unsinn"

Wolf, Hund oder eine Mischung aus beiden?

Seit der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen stellt sich nach einer tödlichen Attacke auf Nutztiere bei Haltern und der Öffentlichkeit immer mal wieder die Frage: War es tatsächlich ein Wolf, doch ein Hund oder gar ein Hybrid - also die wilde Kreuzung beider Tiere nach einer Liaison? Wie untypisch so eine Beziehung unter Artverwandten tatsächlich ist, hat die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung am Dienstag in Frankfurt klargestellt: "Wir haben keine Hybridpopulation in Deutschland", sagte Carsten Nowak, Leiter des Genetischen Referenzzentrums der Senckenberg-Gesellschaft. Dort in Frankfurt werden auch die DNA-Proben aus Niedersachsen untersucht, die dem Nachweis möglicher Wolfs-Attacken dienen.

"Hanebüchener Unsinn"

Die Behauptung von "Pseudowissenschaftlern", in Deutschland gebe es viele Mischtiere, sei "hanebüchener Unsinn". Die Senckenberg-Experten berufen sich dabei auf genetische Untersuchungen von Proben, mit denen sich das Institut im Rahmen des bundesweiten Wolfsmonitorings befasst hat. Die Datenanalyse ergab, dass die sogenannte Hybridisierungsrate, also die Zahl der nachgewiesenen Mischlinge von Wölfen und Hunden, unterhalb von einem Prozent liege. "Wölfe sind tatsächlich Wölfe", sagte Nowak.

Wölfe sind geschützt, Hybride nicht

Der Nachweis von genetisch reinen Wölfen ist unter anderem dann wichtig, wenn es um den Umgang mit Tieren geht, die etwa Schafe oder andere Nutztiere gerissen haben. "Wölfe sind streng geschützt, Hybriden nicht", sagte Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger. Nach Erkenntnissen der Frankfurter Experten würden Hunde von Wölfen verjagt oder getötet werden. Derzeit lebe vermutlich nur noch ein einziges Mischtier in Thüringen, hieß es bei der Senckenberg-Gesellschaft.

Kreuzung gefährdet Artenschutz

Seit dem Jahr 2000, als die ersten in freier Wildbahn lebenden Wölfe wieder in Deutschland geboren wurden, hat es erst zwei Fälle nachgewiesener Wolfshybriden gegeben. In diesen Fällen, 2003 in Sachsen und 2017 in Thüringen, habe eine Wölfin ein Territorium neu besiedelt und keinen Wolf gefunden. Die Jungtiere in Sachsen wurden eingefangen und eingesperrt. Sie waren Medienberichten nach so gestresst, dass sie innerhalb eines Jahres starben. Der Hund-Wolf-Nachwuchs in Thüringen wurde teilweise gezielt abgeschossen. Das hatte - wie auch die Entnahme von "Kurti" und die geplante und genehmigte Tötung des Rodewalder Wolfs in Niedersachsen - für große Diskussion gesorgt. Das Argument beim thüringischen Umweltministerium: Die Kreuzung von Hund und Wolf gefährdet den Artenschutz des Wolfs.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 04.03.2019 | 17:00 Uhr

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